Geschrumpfte Reserven

Lange war der Ruhrpott das industrielle Herz Deutschlands. Mittlerweile gehört nicht nur dieses historische Bild der Zeche Vollmond Bochum der Vergangenheit an, sondern auch weit gehend der Kohlebergbau im Revier zwischen Duisburg und Dortmund.

Laut ihrer Studie, welche die Forscher auch dem Deutschen Bundestag vorgelegt haben, seien die bekannten und in wirtschaftlich vertretbarem Rahmen abbaubaren Kohlevorkommen also deutlich kleiner als bislang angenommen. Eine Fehleinschätzung, die auf früheren, völlig überhöhten Schätzungen beruhe, sagt Zittel: "Durch die Öffnung nach Asien und Russland beispielsweise wurden bessere Daten verfügbar: Indien etwa hat seine Reserven um die Hälfte reduziert.

Aber auch in Deutschland oder Polen wurden die Vorräte drastisch zusammengestrichen – hier zu Lande im Jahr 2002 um ganze 99 Prozent, was mit dem Kohleausstiegsbeschluss begründet wurde. Deshalb seien in die Statistik nur die Mengen übernommen worden, die bis zum Stichtag durch die Förderung erreichbar sind."

In den Vereinigten Staaten, dem zweitgrößten Erzeuger und weltgrößten Reservehalter, sei der Peak sogar schon erreicht, meint Werner Zittel: "Bis 2002 hat dort die Produktion zugenommen, seitdem nimmt sie ab. Die guten Zeiten sind also vorbei, und es wird immer schwieriger, qualitativ gute Kohle zu marktfähigen Preisen abzubauen." Zurückgegangen ist demnach vor allem die Förderung von Anthrazit und Steinkohle, die beide sehr hohe Energiegehalte haben, während die qualitativ schlechtere Braunkohle noch verstärkt gewonnen wird.

Weitere Länder könnten bald folgen: "Dazu gehört zum Beispiel Südafrika , ein wichtiges Exportland, das seit drei Jahren die Ausfuhren trotz gestiegener Preise nicht mehr erhöhen konnte. Als Nächstes folgt Indonesien, wo es auch kaum mehr Spielraum nach oben gibt und wo in den nächsten fünf Jahren wohl die Exporte schrumpfen werden. Dabei ist das Land nach Australien der zweitgrößte Exporteur."

Eine Ansicht, der sich auch der Energieforscher Mikael Höök von der Universität in Uppsala anschließt: "Viele wichtige Kohleförderregionen befinden sich bereits in einer Phase des Produktionsrückgangs, weil die Vorkommen erschöpft sind. Oder sie stehen zunehmend Beschränkungen und anderen negativen Faktoren gegenüber, die die Erschließung neuer Lagerstätten erschweren." Dazu gehören Umweltgesetze, die beispielsweise landschaftsraubende Tagebaue untersagen, oder mangelnder Zugang zu Märkten wie im Fall einer großen Lagerstätte in Sibirien . "Von dort lässt sich die Kohle nur per Eisenbahn nach Europa transportieren, was verglichen mit Schiffen sehr kostspielig ist", bestätigt Ralf Littke von der RWTH Aachen.