Trabant als Rohstoff-Schatzkästchen

Tatsächlich scheint der Mond auf den ersten Blick ein noch unberührtes Rohstoff-Schatzkästchen: Eisen, Titan, Gold, Platin, Iridium – die Liste der Metalle, die auf dem Mond in größerer Menge vermutet werden, ist lang. Dazu Helium-3, die leichtere Variante des Edelgases, eine potenziell schier unerschöpfliche Energiequelle. Und all das auf einem Himmelskörper, der nach kosmischen Maßstäben direkt vor unserer Haustür liegt. So etwas weckt Begehrlichkeiten. Kein Wunder also, dass praktisch alle großen Raumfahrtnationen in den vergangenen Jahren Mondmissionen in ihr Programm aufnahmen.

Doch sind Planspiele über Bergbau auf einem fremden Himmelskörper überhaupt realistisch? "Um ehrlich zu sein: Im Moment würde es sich nicht rentieren, irgendetwas auf dem Mond abzubauen", sagt Tilman Spohn, Direktor des Instituts für Planetenforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Allein die Transportkosten zwischen Erde und Mond sprengen jeden Kostenrahmen: 80 000 Euro würde es nach heutigen Schätzungen kosten, ein Kilogramm Last über die knapp 400 000 Kilometer lange Strecke zu befördern. Hinzu kämen astronomisch hohe Kosten für den Aufbau einer Bergbauinfrastruktur sowie die Erkundung ergiebiger Rohstofflagerstätten.

 "Und auch bei Helium-3 ist eine wirtschaftliche Nutzung nicht absehbar", so Spohn.Als zusätzlicher Stolperstein erweist sich hier die Technik: Zur Energiegewinnung müsste das Edelgas in Fusionsreaktoren mit Wasserstoff zu Helium-4 verschmolzen werden. Doch die Kernfusion steckt derzeit noch in den Kinderschuhen. Nach Einschätzung von Experten dürften noch mindestens 50 Jahre vergehen, bis entsprechende Anlagen zur Verfügung stehen – schnelle und sichere Energieversorgung sieht anders aus.

Die Schätze des Monds, sie liegen offenbar tiefer verborgen, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Und vielleicht ist das sogar ganz gut so. "Der Abbau von Rohstoffen würde die Mondoberfläche ähnlich stark verändern, wie es auf der Erde der Braunkohletagebau tut", so Tilmann Spohn. "Wir wissen, dass die Mondoberfläche sehr alt ist. Der Mond ist gewissermaßen ein Archiv, in dem die frühe Entwicklung des Erde-Mond-Systems gespeichert ist. Und dieses Archiv würde der Wissenschaft verloren gehen, wenn wir den Mond gnadenlos ausbeuten. Ich denke, solange wir es uns leisten können, sollten wir auf Rohstoffe vom Mond verzichten."