Risse in der Fruchtblase und austretendes Fruchtwasser gehören zu den häufigeren Komplikationen der Schwangerschaft und können bei zu großen Flüssigkeitsverlusten ernsthafte Probleme für das Ungeborene verursachen – bis hin zu Frühgeburten. Ein neuer Klebstoff auf Muschelbasis könnte Löcher vielleicht gut verträglich flicken, hoffen nun Phillip Messersmith von der Northwestern University in Evanston und seine Kollegen.

Die Biotechnologen hatten sich vom Klebfuß der Miesmuschel (Mytilus edulis) inspirieren lassen, der das Weichtier extrem fest an feuchten Felsen befestigt, so dass es auch von starken Wellen nicht fortgespült wird. Sein Haftmittel basiert auf einem relativ einfachen Polymer namens DOPA (Dihydroxyphenylalanin), einer Aminosäureverbindung, die in den Haftproteinen der Muschel in hoher Konzentration vorliegt. Messersmiths Team gelang es bereits vor einigen Jahren, DOPA zu synthetisieren, was praktische Anwendungen des Klebers erleichtert.

Nun injizierten die Forscher DOPA zusammen mit einer Art Katalysator im Experiment in zuvor durchlöchertes, lebendes fötales Gewebe und verglichen das Ergebnis mit anderen Klebstoffen, die in der Medizin bereits eingesetzt werden. Mit Erfolg: Der Muschelkleber wies die besten Werte bezüglich Zusammenhalt und Verträglichkeit auf, denn verglichen mit den anderen Materialien starben sehr viel weniger Zellen im Gewebe ab. Außerdem wirkte der Kleber bereits nach 10 bis 20 Sekunden. Als Nächstes wollen die Forscher den Schritt von der Petrischale zu Tests an Tieren wagen, um zu sehen, ob ihr Mittel auch im Organismus funktioniert.