Die Dimensionen sind gewaltig, grob 80 mal 30 Kilometer misst ein Eisberg, der sich vor zwei Wochen vom Mertz-Gletscher in der Antarktis löste. Ungefähr so groß wie Luxemburg ist der Brocken, der nun an der Küste treibt. Auslöser der Reise war der Zusammenstoß eines anderen Eisberg namens "B9B" mit dem Mertz-Gletscher. Dabei wurde ein Teil der Gletscherzunge, der infolge natürlicher Eisbewegungen schon fast abgerissen war, endgültig getrennt.

In der vergangenen Woche erschienen die ersten Satellitenaufnahmen der schwimmenden Eismassen und erregten gewaltiges Aufsehen. Das Geschehen an der antarktischen Küste schien dadurch noch dramatischer zu werden: Von einer "Jahrhundertkollision" sprachen australische Forscher. Sie warnten, ein Eisblock dieser Größe könne auch die Meeresströmungen und so auch das Wetter Tausende Kilometer entfernt beeinflussen.

Doch handelt es sich tatsächlich um ein sensationelles Geschehen? Vieles deutet ganz im Gegenteil darauf hin, dass solche Kollisionen immer wieder vorkommen. So hatten nur wenige Tage zuvor Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) von einer Kollision berichtet, die sich nur zehn Kilometer vor der deutschen Forschungsstation "Neumayer III" ereignete. Dort, auf der gegenüberliegenden Antarktisseite des Mertz-Gletschers, war am 11. Februar die 50 mal 5 Kilometer große Scholle "B15-K" ins Ekström-Schelfeis gedonnert. Und das im wahrsten Sinne. Wie das AWI berichtet, haben Unterwassermikrofone den Zusammenprall aufgezeichnet. Auch die Seismometer in der Nähe der Station schlugen mehrfach aus. Den Berechnungen zufolge entsprach die Energie eines jeden Aufpralls fünf bis zehn Tonnen Sprengstoff.

Der frostige Unfallpartner B15-K wiegt rund 45 Milliarden Tonnen und ist selber nur der Teil des viel größeren Eisbergs B15. Dieser hatte sich vor zehn Jahren vom Ross-Eisschelf gelöst. Mit einer Fläche von 11.000 Quadratkilometern gilt B15 als der größte bisher beobachtete Eisberg – das ist fünfmal so viel wie das Ergebnis der "Jahrhundertkollision". Und die satellitengetützten Messungen begannen erst vor rund 30 Jahren.

Auch in der Zeit davor muss es immer wieder bedeutende Eisabbrüche gegeben haben. Ursache ist das Wachstum der Gletscher. Vor allem im höhergelegenen Teil über dem Festland wachsen die Eispanzer durch andauernden Schneefall Hunderte Meter hoch. Das Eis verhält sich wie eine extrem zähe Flüssigkeit und schiebt sich der Schwerkraft folgend zum Meer hin.