Nur ein Mal hat er gezweifelt. Das war 2001, während des zweiten Palästinenseraufstands. Da dachte Gidon Bromberg darüber nach, wie es wäre zu scheitern, mit dem Jordan, dem Peace Park, der Umwelt im Nahen Osten. Schnell verwarf der israelische Direktor der "Friends of the Earth Middle East" den Gedanken – er ist berufsbedingt Optimist. Das muss er sein, denn die in Israel, den Palästinensergebieten und Jordanien angesiedelte Partnerorganisation des deutschen "Bundes für Umwelt und Naturschutz" hat ambitionierte Pläne.

"Hier", sagt Bromberg, und zeigt über die hügelige, sattgrüne Landschaft im Nordosten Israels, "werden hunderte Besucher herkommen. Sie werden Vögel beobachten, die Aussicht genießen, friedlich sein." Bis es soweit ist, liegt viel Arbeit vor Bromberg, seinem jordanischen Kollegen Munqeth Mehyar und den Menschen, die hier leben. Denn "hier" ist südlich des Sees Genezareth, wo Israel an Jordanien grenzt, wo die Flüsse Jordan und Jarmuk sich treffen und zum Toten Meer fließen. Bekannt ist das Gebiet als "Peace Island", entstanden durch Friedensverträge von 1994. Damals einigte man sich, dass das Land Jordanien gehöre, aber von Israelis gepachtet und von Besuchern ohne Visum betreten werden kann – international eine Ausnahme.

Diese Rolle könnte sich bald erweitern. Die "Friends of the Earth Middle East" planen, die Insel zu einem länderübergreifenden "Friedenspark" (Peacepark) auszudehnen, für den weder von jordanischer noch von israelischer Seite Visumspflicht besteht. Weil das Gebiet jahrelang militärische Sperrzone war, hat sich ein einzigartiges Biotop erhalten, überquert zweimal jährlich von einer halben Million Zugvögel. Brücken der Mamelucken und der Römer, eine alte Eisenbahn und ein Wasserkraftwerk aus der Zeit des britischen Mandats machen es auch für Geschichtsinteressierte attraktiv. Hinzu kommt die Religion. Der Jordan, der durch den künftigen Park fließt, ist Juden, Christen und Muslimen heilig.

"Ideale Bedingungen für Ökotourismus", sagt Mehyar. Für den jordanischen Direktor der Organisation ist der Park Mittel zum Zweck. In der trockenen Region fließt seit Jahrzehnten viel Wasser in die Landwirtschaft, die kleine Erträge abwirft und der Natur schadet. Die Aktivisten wollen Ökotourismus als alternative Einnahmequelle etablieren. Vor allem auf jordanischer Seite, in einer Gegend mit hoher Arbeitslosigkeit, interessiert Bürgermeister und Anwohner das Projekt. "Man könnte Läden eröffnen, Parkpersonal rekrutieren", sagt Mehyar. So will er Millionen Touristen, die in die Weltkulturerbe-Stadt Petra im Süden kommen, anziehen.

Seit eine Studie 2007 gezeigt hat, dass es möglich ist, die in den Friedensverträgen vereinbarte "ökologische Rehabilitation des Jordangebietes" durch Tourismus voranzutreiben, wird unter dem Motto "Den Jordan überqueren" geplant. Bestehende Naturschutzgebiete werden vereint. Wanderpfade geplant, Vogelbeobachtungsstellen und Ökounterkünfte gebaut. Ein See soll angelegt, eine Cafeteria eingerichtet werden. Bis jetzt hat die Region 40.000 Touristen im Jahr.