Die Überlebenschancen für den Vaquita, den im Golf von Kalifornien lebenden Schweinswal, stehen schlecht: Forscher zählen nur noch 150 Tiere dieser Spezies. Jedes Jahr kommen etwa sechs Kälber zur Welt, doch die Geburten können die jährlichen Verluste von etwa 20 Prozent nicht kompensieren. Vor allem die Fischerei setzt den Tieren zu: Die Wale verfangen sich in den Netzen und sterben. "Es ist eigentlich sehr leicht, diesen Prozess zu stoppen", sagte der US-Walforscher Bernd Würsig. "Die Fischerei kann auf andere Fangmethoden umstellen."

Seit Montag treffen sich rund 450 Walforscher auf der 24. Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Walforschung in Stralsund. Fischerei, Unterwasserlärm, Umweltzerstörung und auch die Auswirkungen des Klimawandels bedrohen zunehmend Wale weltweit. Offiziell gelten 30 Arten, Unterarten oder Populationen als "kritisch gefährdet".

Nach Einschätzung von Forschern ist die Zahl der bedrohten Arten und Populationen jedoch doppelt so hoch, wie Würsig von der Texas A&M University sagte. Als besonders gefährdet gelten verschiedene Flussdelfin-Arten in Südasien, die in "furchtbarer Verfassung" seien. Grund sei der Bau von Dämmen, die den Säugern nicht mehr erlauben, die Flüsse entlang zu wandern. Vom Yangtse-Delfin wird inzwischen angenommen, dass er ausgestorben ist.

Auch Großwale wie der bis zu 18 Meter lange Nordkaper im Nordatlantik und Nordpazifik seien stark gefährdet. Nach dem massenweisen Fang bis Mitte des 20. Jahrhunderts hätten sich diese Bestände nicht mehr erholen können. Zuletzt wurden nur noch etwa 300 Exemplare gezählt

Mit ihren Studien wollen die Walforscher den Druck erhöhen - die Politik könne die vom Menschen verursachten Bedrohungen regulieren. Doch damit tun sich einige Länder – darunter auch Deutschland – schwer, kritisierten die Experten in Stralsund. Der Chef des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke, beklagte, dass es viel zu lange dauere, bis Forschungsergebnisse in gesetzliche Vorschriften und dann auch praktisch umgesetzt werden.