Der Niederschlag ist wieder überall flüssig. Deutschland sieht dem ersten Wochenende mit zweistelligen Plus(!)graden entgegen. Während die orangenen Männer von der Straßenreinigung den Streusand und Split von drei Monaten zusammenkehren, fragen sich die Meteorologen: Was war das eigentlich für ein Winter in der Saison 2009/10?

Der erste Richtige seit Langem, klar. Wie seit Jahren nicht mehr, machte er der Bahn, den Streudiensten, Ärzten und Notfallambulanzen zu schaffen. Es war kalt, es war rutschig, und spätestens Ende Februar hatten die meisten Menschen endgültig genug davon. Was sollte man sonst noch über den Winter sagen? Doch die Analyse der Wetterdaten birgt einige Überraschungen – sowohl wenn es nur um Deutschland geht als auch um Europa und die ganze Welt.

Deutschland: etwas zu kalt, viel zu trübe und lange geschlossene Schneedecke

Was ist nicht alles geschrieben worden von "sibirischer Kälte" und "Rekordwinter". Ein Spitzenwert hängt aber vor allem davon ab, wie man den Vergleichszeitraum wählt. Weil die Winter des vergangenen Jahrzehnts alle recht mild waren, taugen sie nicht als Vergleich. Meteorologen betrachten zumindest die letzten 30 oder 40 Jahre, wenn sie wissen wollen: Lag der Winter im langjährigen Mittel? Aber detaillierte Wetterdaten reichen bis in die 1880er Jahre zurück. Die Gegenwart lässt sich also mit den den letzten 130 Wintern vergleichen. Jörg Rapp, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach, hat die Daten des vergangenen Winters der Statistik gegenübergestellt.

Nach dem Winter müssen Deutschlands Straßen geflickt werden. Warum, erfahren Sie in unserer Infografik

"Es war, vor allem im Norden und in der Mitte Deutschlands, wohl der schneereichste Winter seit 30 Jahren, aber der kälteste seit nur 13 Jahren", sagt Rapp. "Und dass es in allen drei Wintermonaten – Dezember, Januar und Februar – zu kalt war, das ist schon lange nicht mehr vorgekommen." Zu kalt sei es deutschlandweit gewesen, und zwar -1,5 Grad Celsius kälter als im Durchschnitt. Zum Vergleich: Der "Kältewinter" von 1962/63 brachte es auf eine Abweichung von -5,7 Grad und war damit noch kälter als die berüchtigten Kriegswinter der vierziger Jahre.

Für den winterlichen Eindruck sind aber zwei andere Faktoren entscheidender als die Temperatur. "Das Besondere an diesem Winter ist die lang anhaltende geschlossene Schneedecke", sagt Rapp, "das erzeugt schon rein optisch den Eindruck eines langen Winters" – und zwar in weiten Teilen des Landes. Schneehöhen hingegen werden immer an bestimmten Orten gemessen. Da fällt leicht irgendein Rekord. Besonders im Nordosten wurden diesmal auch viele Spitzenwerte aus dem "Schneewinter" 1978/79 übertroffen.

Außerdem sei es einer der sonnenscheinärmsten Winter seit Langem gewesen – mit nur 73 Prozent des normalen Sonnenscheins. Sprich: So trüb war es deutschlandweit seit immerhin vier Jahrzehnten nicht mehr.