Frage: Herr van Bernem, vor dem Mississippi-Delta schwimmt ein riesiger Ölteppich auf die Küste der USA zu. Was droht den Ökosystemen vor Ort?

Carlo van Bernem: Große Teile der Golfküste sind mit Mangrovenwäldern bewachsen, und diese gehören zu den Ökosystemen, die am empfindlichsten auf Ölverschmutzung reagieren: Das Öl verklebt die Öffnungen in den Luftwurzeln der Pflanzen, sodass sie nicht mehr atmen können und absterben. Diese gravierenden Schäden haben weitreichende Folgen für den Küstenschutz, denn die Mangroven leisten zukünftigen Hurrikanen weniger Widerstand – zumal sie sich nur schlecht regenerieren, da sie langsam wachsen. Für das Mississippi-Delta kann es damit beim nächsten Wirbelsturm noch wesentlich schlechter aussehen, als es beim letzten Mal bereits der Fall war.

Frage: Wie sollten die Behörden nun am besten und am schnellsten reagieren, um Schäden abzuwenden?

Van Bernem: Solange das Öl noch frisch ist, kann man versuchen, es mit chemischen Mitteln aufzulösen und in die Wassersäule zu verfrachten. Die eingesetzten Tenside überführen das Öl in kleine Tröpfchen und fördern so den mikrobiellen Abbau. Das verringert die physikalischen Schäden durch den flächigen, abdeckenden Ölfilm an der Oberfläche. Man muss jedoch zusätzlich zum Öl noch eine weitere Chemikalie ins Wasser bringen, ohne dass das Öl von dort tatsächlich entfernt wird. Es können also durchaus Folgeschäden für winzige Organismen entstehen, die die kleinen Tröpfchen aufnehmen und damit in die Nahrungskette transportieren. Wenn es gelingt, den Ölteppich mit schwimmenden Barrieren auf der Oberfläche zu fixieren, lässt er sich auch mit Spezialschiffen mechanisch absaugen. Das geht aber nur bei ruhiger See, nicht bei starkem Wellengang. In Deutschland verwenden wir prinzipiell diese Bekämpfungsmethode und in der Nordsee keine Chemikalien jenseits ihrer Tiefenlinie von 15 bis 20 Metern. Damit sollen Schäden an den Planktonbeständen und Muschelbänken im Wattenmeer verhindert werden.

Frage: Eine norwegische Firma wirbt damit, dass sie das Öl mit Torfmoosen binden will. Wäre dies ebenfalls eine Alternative?

Van Bernem: Das kann funktionieren, doch diese sogenannten Adsorbenzien werden nur sehr selten verwendet. Im Allgemeinen kann man sie ebenfalls nur unter optimalen Bedingungen einsetzen – etwa in Häfen mit ruhiger See. Auf dem offenen Meer mit hohem Wellengang sind sie sehr problematisch.