Die US-Küstenwache und der Ölkonzern BP haben eine der größten Katastrophenschutzoperationen in der Geschichte der Ölförderung eingeleitet. Sie soll die Südküste der USA im Golf von Mexiko vor einer Ölpest bewahren, nachdem die Bohrinsel "Deepwater Horizon" vor einer Woche explodiert und danach gesunken war. Der Ort der Katastrophe liegt etwa 70 Kilometer südlich der Küste. Seither fließen täglich rund 42 000 Gallonen (159 000 Liter) Rohöl ins Meer, inzwischen allerdings nicht mehr nahe der Oberfläche, sondern am Meeresboden in etwa 1,6 Kilometer Tiefe. Von dort steigt es in der Form einer riesigen Eiskremtüte, die sich nach oben kreisförmig erweitert, auf.

Das stellt die Katastrophenschützer vor technische Herausforderungen. Ein Teil der geplanten Rettungsmaßnahmen ist bisher nur in flachem Wasser erprobt worden. Eine Flotte von 15 Ölabsaugeschiffen und vier Tiefseerobotern, die an Mini-U-Boote erinnern, ist im Einsatz. Der Ölteppich bedeckt inzwischen eine Fläche von 1500 Quadratkilometern und kann bei ungünstigen Wetterverhältnissen in einigen Tagen die Küste von Louisiana sowie der angrenzenden Bundesstaaten Mississippi und Alabama erreichen.

Dort würde er das Ökosystem des Mississippideltas sowie die Austern-, Krabben und Fischindustrie bedrohen. Die Gefahr für den Fischbestand im Golf von Mexiko ist noch nicht abzusehen. Experten prognostizieren mit Blick auf die Wetterlage, es sei wahrscheinlicher, dass der Ölteppich zunächst in 50 Kilometer Abstand zur Küste bleibe.

Der dichte Schiffsverkehr ist das größte Umweltproblem am Mittelmeer. Lesen Sie hier mehr über die Ölverschmutzung. © Paolo Petrignani

Medien in den USA vergleichen die Bedrohung mit der Umweltkatastrophe in Alaska 1989, nachdem der Öltanker "Exxon Valdez" im Prinz-William-Sund auf ein Riff gelaufen war. Sie heben neben den Parallelen auch die Unterschiede hervor. Die Ölpest in Alaska war die bisher schlimmste in der Geschichte der USA. Elf Millionen Gallonen Rohöl liefen aus dem havarierten Tanker aus und verseuchten Tier- und Pflanzenwelt auf einer Küstenlänge von annähernd 2000 Kilometer.

Weil das Unglück in unmittelbarer Landnähe geschah, bestand weder zeitlich noch technisch die Möglichkeit, den Ölteppich einzudämmen, bevor er die Küste verseuchte. Das ist im Fall der Hochsee-Bohrinsel anders. Die New York Times rechnet vor, es würde 262 Tage dauern, bis im Golf von Mexiko die selbe Menge Rohöl ausgetreten sei wie bei der Havarie der "Exxon Valdez".