Wie der Chef der US-Küstenwache, Thad Allen, am Donnerstag mitteilte, strömen kein Gas und kein Öl mehr aus den Lecks am Meeresgrund, die die Bohrplattform Deepwater Horizon nach ihrer Explosion Ende April im Golf von Mexiko hinterlassen hatte. Der obere Teil des Bohrlochs sei "stabilisiert", sagte er.

Der Ölkonzern BP hatte seit Wochen vergeblich versucht, die Lecks in 1500 Metern Tiefe mit unterschiedlichen Techniken zu schließen. Auf den Videobildern vom Meeresboden sehe es nun aber so aus, als ob nur noch Bohrschlamm und kein Öl mehr aus dem beschädigten Bohrloch ausströme, sagte Einsatzleiter Doug Suttles im US-Bundesstaat Louisiana.

Nach Berechnungen der Regierung ist deutlich mehr Öl ins Meer geflossen als bislang vermutet. Die Direktorin des Nationalen Geologischen Instituts der USA, Marcia McNutt, gab als Berechnungsergebnis einer Expertenkommission eine Spanne von 12.000 bis 25.000 Barrel pro Tag für die austretende Ölmenge bekannt.

Das wären fünf Mal so viel wie bislang von BP geschätzt. BP hatte von 5000 Barrel gesprochen. Im März 1989 war der Tanker Exxon Valdez vor Alaska verunglückt. Dabei flossen insgesamt etwa 260.000 Barrel Öl ins Meer und erzeugte die bislang schlimmste Ölpest.

BP hatte am Mittwoch damit begonnen, im Golf von Mexiko unter hohem Druck große Schlammmassen in das Bohrloch zu pumpen, um die seit Wochen ausströmenden Ölmassen zu stoppen. Eines der größten Risiken war, dass sich die Lecks durch den Beschuss mit Schlamm noch vergrößern könnten. Nun hatte die sogenannte "Top Kill"-Methode offenbar Erfolg. Die Ingenieure des Konzerns drückten mit Pumpen pro Minute tausende Liter Schlamm durch das Sicherheitsventil ("Blowout Preventer"), das auf dem Bohrloch sitzt und es so dem ausströmenden Öl entgegenpumpt. Im Anschluss wollten sie die Quelle mit Zement versiegeln.

Ob der Erfolg von Dauer ist, wird sich allerdings erst in den nächsten Wochen zeigen. Da bisher kein vergleichbares Manöver zum Schließen eines Bohrlochs am Meeresgrund durchgeführt wurde, können Experten nicht vorhersagen, ob der Zementverschluss auch dauerhaft halten wird.

Selbst wenn es dem Konzern endlich gelungen sein sollte, den Ölfluss ins Meer zu stoppen, bleibt die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko gewaltig. Die riesigen Ölschwaden, die weiterhin die Küsten verschmutzen, werden das Leben im Meer und an Land für Jahrzehnte schädigen. Davon gehen Wissenschaftler aus. Außerdem hat BP giftige Chemikalien eingesetzt, um das im Wasser treibende Öl zu zersetzen. Diese Dispergatoren gelten als gesundheitsschädlich und gefährden die Tier- und Pflanzenwelt der Ozeane.

Der Einsatz gegen die Ölpest kostete BP nach offiziellen Angaben bislang 750 Millionen US-Dollar (615 Millionen Euro). Die US-Regierung habe bisher 100 Millionen Dollar (82 Millionen Euro) ausgeben müssen, die sie allerdings von dem Ölkonzern zurückerhalte. Neben dem Schaden für die Umwelt gefährdet die Ölkatastrophe auch die Existenz der Fischer an den betroffenen Küsten. Sie müssen sich auf einen jahrelangen Rechtsstreit um Entschädigungen gefasst machen .