Die Zitterpartie im Golf von Mexiko dauert an: Aus dem Leck der gesunkenen Ölplattform Deepwater Horizon vor der südlichen Küste der USA strömen immer noch Öl und Gas aus. Damit blieb der britische Energiekonzern BP zunächst erfolglos, mit der Operation "Top Kill" das Bohrloch am Meeresgrund zu verschließen. Äußerungen des Chefs der Küstenwache, der Austritt von Öl und Gas sei unterbrochen worden , bestätigte BP damit nicht.

Für BP-Manager Doug Suttles ist der Ausgang der Aktion rund 24 Stunden nach Beginn des jüngsten Versuchs "völlig offen"; er sprach von "Fortschritten". Man benötige möglicherweise aber noch bis zu zwei Tage, um zu wissen, ob die Aktion erfolgreich gewesen sei. Die Pausen seien in dem Verfahren vorgesehen, sagte Suttles. "Es ist nichts schiefgegangen und es läuft nichts anders als geplant."

Bei der "Top-Kill"-Methode werden teilweise mehr als 8000 Liter Schlamm pro Minute durch das Sicherheitsventil, den sogenannten Blowout Preventer, der auf dem Bohrloch sitzt, gegen den Ölstrom gepumpt. Ist der Ölfluss gestoppt, soll das Leck schließlich mit Zement abgedichtet werden – so der Plan. Laut Suttles sind die Techniker des Konzerns geteilter Meinung, was den Erfolg der Aktion angehe.

Die Unterbrechungen seien dagegen völlig planmäßig , da BP nach jedem Schlammstoß analysieren müsse, mit welchem Druck das Öl aus der Quelle nach oben strömt. "Wir hören auf zu pumpen und messen. Wenn der Druck wieder steigt, dann fangen wir wieder an zu pumpen", sagte er. Erst wenn der Gegendruck niedrig genug sei, um das Bohrloch mit Zement schließen zu können, sei die Operation erfolgreich beendet. Zudem müssten die drei Versorgungsschiffe an der Meeresoberfläche zunächst neuen Bohrschlamm aufnehmen.

Für den Fall des Scheiterns sind laut dem BP-Manager bereits Ersatzmethoden geplant. Darunter ein zweiter Blowout Preventer, der auf den ersten gesetzt werden kann. Zudem sei ein 1,50 Meter hoher Zylinder aus Stahl einsatzfertig, den die Experten über das größere von zwei Lecks in einem Steigrohr stülpen könnten, aus denen seit mehr als vier Wochen das Öl ins Meer strömt.

Über eine Leitung an dem Zylinder könnte ein Schiff das aufgefangene Ölwassergemisch nach oben pumpen. Mit einem ähnlichen Versuch war das Ölunternehmen vor mehr als drei Wochen gescheitert.

Experten der US-Regierung sprechen derweil von der schlimmsten Ölpest, die es je in den USA gegeben hat: Sie korrigierten die Schätzungen über die Menge des austretenden Öls dramatisch nach oben. Seit dem Sinken der Deepwater Horizon am 22. April seien insgesamt mehr als 36.700 Tonnen Öl ins Meer gelangt. Damit hätte die Ölpest – gemessen an der Menge – die von 1989 übertroffen. Damals war der Tanker Exxon Valdez vor der Küste Alaskas verunglückt und es waren schätzungsweise rund 35.000 Tonnen Öl ausgetreten.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass täglich bis zu 25.000 Barrel pro Tag – knapp vier Millionen Liter – Rohöl ins Meer strömen. Das wären fünfmal so viel wie bislang von BP geschätzt. Die Direktorin der Geologiebehörde USGS, Marcia McNutt betonte, auch die jüngsten Schätzungen seien nur vorläufig. Man betrachte "eine höchst dynamische, komplexe Lage".

Als Reaktion auf die Ölkatastrophe ergriff die Regierung weitere Sofortmaßnahmen : Zum einen verlängerte sie den Zeitraum, in dem keine neuen Tiefsee-Ölbohrungen zugelassen werden, um sechs Monate. Dieses Moratorium war nach dem Unglück verhängt worden.

Zudem setzte US-Präsident Barack Obama zwei geplante Probebohrungen vor Alaska aus und stoppte Verpachtungen im Golf von Mexiko und vor der Küste des Bundesstaates Virginia. Auch 33 laufende Bohrungen im Golf von Mexiko sollen ausgesetzt werden.

Die betroffenen Bohrinseln müssten bei der nächsten sicheren Gelegenheit die Arbeit einstellen und neue Sicherheitsmaßnahmen umsetzen, sagte Innenminister Ken Salazar. Bestehende Förderanlagen fallen nicht unter die Anordnung. Betroffen wären unter anderem Unternehmen wie Shell oder Apache .

Um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen, will Obama erneut in den von der Ölpest besonders betroffenen Bundesstaat Louisiana reisen.