Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko macht BP nach eigener Darstellung Fortschritte: Nach den Worten des Konzernchefs Tony Hayward wird mittlerweile "die Mehrheit" des ausströmenden Öls aufgefangen. Der installierte Auffangbehälter über der lecken Ölquelle im Meer leite zurzeit täglich mehr als 1500 Tonnen Öl sicher auf ein Schiff.

Die von Hayward genannte Zahl ist allerdings deutlich höher als die Angabe der US-Regierung. Admiral Thad Allen von der US-Küstenwache hatte am Vortag gesagt, dass innerhalb von 24 Stunden etwa 620 Tonnen Rohöl auf das Schiff gepumpt worden seien. Er ging davon aus, dass damit also lediglich etwa ein Drittel des austretenden Öls aufgefangen wird. Es wird geschätzt, dass aus dem Bohrloch jeden Tag zwischen 1600 und 3400 Tonnen Öl fließen.

Am Donnerstag hatte BP mit Unterwasser-Robotern in rund 1600 Metern Tiefe den Trichter auf die gekappte Steigleitung des defekten Bohrlochs gestülpt. Die Konstruktion soll das Abpumpen des ausströmenden Öls ermöglichen. An dem Trichter sind Ventile angebracht, die die Bildung von Eiskristallen verhindern sollen. An solchen Eiskristallen war ein erster Versuch gescheitert, mit einer Stahlglocke das auslaufende Öl einzufangen und abzusaugen. Durch die Ventile strömt derzeit noch Öl aus, sie sollen nach und nach geschlossen werden.

In der BBC kündigte Hayward an, im Laufe der Woche solle eine weitere Absaugevorrichtung installiert werden. Dann könne "ein Großteil" des Öls aufgefangen werden. Bis Monatesende wolle BP zudem eine stabilere Vorrichtung anbringen, die auch die Hurrikans der Ende August beginnenden Sturmsaison aushalten. Endgültig geschlossen werden kann das Loch vermutlich erst, wenn Entlastungsbohrungen vorgenommen wurden. Die Arbeiten werden vermutlich bis August dauern.

BP hat bislang nach eigenen Angaben 46 Millionen Dollar (38 Millionen Euro) an Entschädigungen für die betroffenen Küstenbewohner ausgezahlt. Für den Juni werde ein Betrag in etwa gleicher Höhe erwartet, sagte der Koordinator von BP für Entschädigungsforderungen, Darryl Willis. Es seien in erster Linie Fischer entschädigt worden.

Obama sagte bei seinem dritten Besuch in der Region am Freitag, BP habe "moralische und rechtliche Verpflichtungen" im Zusammenhang mit den Schäden am Golf von Mexiko. Er verwies auf die Dividenden in Höhe von mehr als zehn Milliarden Dollar (8,3 Milliarden Euro), die BP an seine Aktionäre auszahlen will, sowie auf die 50 Millionen Dollar teure TV-Kampagne, mit der der Ölkonzern sein Image retten will.

In seiner wöchentlichen Radioansprache sagte Obama am Samstag, die Ölkatastrophe habe nicht nur hohe Kosten verursacht, sondern "ganze Gemeinschaften auf den Kopf gestellt". Er sicherte zu, dass seine Regierung alles unternehmen werde, um die Schäden der Ölpest zu beseitigen und eine weitere derartige Katastrophe zu verhindern.

Kommende Woche will Obama im Weißen Haus die Angehörigen der elf Arbeiter empfangen, die bei der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon am 20. April ums Leben kamen. Die Insel sank zwei Tage später und zerstörte die Rohr- und Pumpanlage am Meeresgrund. Seither strömten bereits mindestens 75 Millionen Liter Öl ins Meer. Wie der Sonderbeauftragte der US-Regierung, Admiral Thad Allen, dem US-Fernsehsender ABC mitteilte, hat sich das am Meeresboden ausströmende Öl in einem Radius von 320 Kilometern ausgebreitet. Es breite sich jedoch nicht als riesiger Teppich aus, sondern in Form von "hunderttausenden kleinen Flecken". Dies erschwere die Bemühungen, den Schlick von den US-Küsten fernzuhalten.