Bei den Gesundheitsbehörden des US-Bundesstaates Louisiana melden sich immer mehr BP-Arbeiter, die nach ihrem Einsatz am Unglücksort gesundheitliche Probleme bekommen haben. Die Betroffenen haben grippeähnliche Symptome, gereizte Augen und leiden häufig an Kopf- oder Brustschmerzen. Acht Menschen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Etwa 50 der Erkrankten hatten direkten Kontakt mit dem Öl oder mit Chemikalien, die im Kampf gegen die Ölpest zum Einsatz kamen. Die anderen Betroffenen erkrankten nach Auskunft der Gesundheitsbehörden vor allem, weil der Gestank der Ölpest bis zu ihnen nach Hause reichte.

Die Los Angeles Times schildert den Fall des Fischers George Jackson. Der 53-Jährige hat seit Beginn der Katastrophe im Golf von Mexiko tagtäglich mit giftigen Stoffen zu tun, mit deren Hilfe verhindert werden soll, dass das Öl zur Meeresoberfläche aufsteigt. Nach seinem Einsatz klagte Jackson über gereizte Atemwege. Außerdem wurde ihm wiederholt übel. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen Arbeitgeber. "Sie (die BP-Manager) haben uns gesagt, dass wir uns keine Sorgen machen sollen, wenn wir mit dem Öl in Berührung kommen ", sagte Jackson der Zeitung. "Handschuhe haben wir nicht getragen."

Für Robert Emery vom Health Science Center der University of Texas steht fest: "Es gibt keinen Zweifel, dass Menschen da draußen krank werden. Die entscheidende Frage ist, was die Erkrankungen verursacht."

In einem Interview mit ZEIT ONLINE hatte die Umweltschützerin und Meerestoxikologin Riki Ott bereits darauf hingewiesen, dass BP offenbar die Gesundheit der Arbeiter in Kauf nehme . "Viele Fischer und Helfer, die BP angeheuert hat, kommen an die Küste zurück mit brennenden Augen, Hals- und Kopfschmerzen und anhaltendem Husten", sagte Ott. Auf See verteile BP giftige Chemikalien, die teilweise mitverbrannt werden, um das Öl in Schach zu halten. "Dabei entstehen giftige Dämpfe – das steht sogar in den Warnhinweisen dieser Mittel. Doch die Fischer haben keine Schutzkleidung dagegen, nicht einmal Atemmasken."

Die Sorglosigkeit des Ölkonzerns hat inzwischen auch die Politik auf den Plan gerufen. "Wir sind sehr besorgt über die Auswirkungen der Katastrophe auf die Gesundheit der Menschen in der betroffenen Region", sagt US-Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius. Sie hat einen Protestbrief an BP geschrieben, in dem sie den Konzern auffordert, die Verantwortung für die gesundheitlichen Auswirkungen der Umweltkatastrophe zu übernehmen, schreibt die Washington Post .

BP-Chef Tony Hayward weist weiterhin jegliche Mitverantwortung für die Erkrankungen seiner Mitarbeiter weit von sich. Die verschiedenen Krankheitssymptome der Arbeiter könnten schließlich auch ganz andere Ursachen haben, als den direkten Kontakt mit dem Öl oder den Chemikalien, die zur Bekämpfung der Katastrophe eingesetzt werden. So könnte beispielsweise die Hitze, die beim Tragen der Schutzanzüge entsteht, für Kopfschmerzen gesorgt haben.

Von der Ölpest im Golf von Mexiko sind mehrere US-Bundesstaaten betroffen. Wie viele Menschen insgesamt erkrankt sind, ist nicht bekannt.