Vier Jahre nach einem Giftmüllskandal mit mehreren Toten hat ein Amsterdamer Gericht den multinationalen Erdölkonzern Trafigura zu einer Geldstrafe von einer Million Euro verurteilt. Das Unternehmen hatte im Juli 2006 Giftmüll über die Niederlande in die Elfenbeinküste transportiert. In Amsterdam seien falsche Angaben zu dem Abfall gemacht worden, sagten die Richter. Damit habe das Unternehmen gegen EU-Vorschriften verstoßen.

Nach einem dreitägigen Stopp in Amsterdam verschiffte Trafigura die Abfälle – Natronlauge und Erdölreststoffe, die bei der Reinigung des Schiffes angefallen waren – nach Abidjan, dem Regierungssitz der Elfenbeinküste . Dort fand man die giftige Fracht im August 2006 auf offenen Halden der Stadt wieder. Nach Angaben der örtlichen Behörden führte die Lagerung zu 17 Todesfällen. Tausende weitere Menschen erlitten Vergiftungserscheinungen.

Auch wenn das niederländische Gericht nicht über die Giftmüllfunde in der Elfenbeinküste verhandelte, rügte es in seinem Urteil, dass Trafigura nicht genau geprüft habe, ob Abidjan über geeignete Anlagen zur Aufbereitung des chemischen Mülls verfügte. Der Abfall sollte nach Angaben des Gerichts zunächst in den Niederlanden aufbereitet werden. Das Vorhaben wurde aber fallen gelassen, weil sich der Müll als giftiger als angegeben erwies und die Amsterdamer Hafenbehörde einen höheren Preis für die Entsorgung forderte.

Im Prozess drohte dem in der Schweiz ansässigen Unternehmen Trafigura eine Geldstrafe von bis zu 2,1 Millionen Euro gedroht. Zur Beilegung des Giftmüllskandals erklärte sich das Unternehmen im Februar 2007 bereit, umgerechnet 152 Millionen Euro an die Elfenbeinküste zu zahlen.

Das Gericht verurteilte außerdem einen Trafigura-Mitarbeiter zu sechs Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 25.000 Euro. Der Mann hatte den Zwischenstopp in den Niederlanden organisiert. Der ukrainische Kapitän des Schiffes erhielt eine fünfmonatige Bewährungsstrafe. Beiden hatte bis zu 21 Jahre Gefängnis und eine Strafe von 134.000 Euro gedroht.

Trafigura kündigte an, es werde prüfen, ob es gegen das Urteil Berufung einlege. Das Gericht habe anerkannt, dass die geladenen Abfälle "ein beschränktes Risiko für die menschliche Gesundheit" dargestellt hätten. Tatsächlich sei in Amsterdam aber keinerlei Schaden entstanden. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte das Urteil als "Anfang der Gerechtigkeit". "Der nächste logische Schritt ist, dass Trafigura für die Entsorgung in der Elfenbeinküste verfolgt wird", sagte eine Greenpeace-Sprecherin.