Der erneute Versuch, die Ölpest im Golf von Mexiko einzudämmen, weckt Erwartungen: Dem britischen Ölkonzern BP ist es laut eigener Darstellung gelungen, eine besser abschließende Absaugvorrichtung auf das lecke Bohrloch am Meeresboden im Golf von Mexiko zu setzen. Diese ersetzt eine am Wochenende entfernte Glocke , mit der es nicht gelungen war, den gesamten Ölstrom aufzufangen.

Auf der Website des Unternehmens geschaltete Live-Aufnahmen zeigten, wie die als "Top Hat 10" bezeichnete Apparatur am Ende des Bohrlochs in rund 1500 Metern Meerestiefe angebracht wurde. Küstenwachen-Admiral Thad Allen, der von US-Präsident Barack Obama ernannte Einsatzleiter, sprach von einem "entscheidenden Fortschritt".

Im Idealfall kann die Kappe den Austritt des Öls ganz stoppen oder zumindest so weit eindämmen, dass es von Schiffen an der Oberfläche vollständig abgepumpt werden kann. Allerdings betonte BP, dass ein Erfolg keineswegs sicher sei. Die Kappe sei noch nie unter solchen Bedingungen oder in diesen Tiefen eingesetzt worden, hieß es in einer Erklärung.



Gewissheit sollen Belastungstests bringen, mit denen BP beginnen will, sobald die neue 40-Tonnen-Apparatur festgeschraubt ist. Die Versuchsreihen sollen zwischen 6 und 48 Stunden dauern. Spätestens am Donnerstag soll sich dann zeigen, ob der neue Versuch zur Eindämmung der Ölpest erfolgreich war und das Öl tatsächlich vollständig abgesaugt oder die Bohrleitung auf diese Weise sogar verschlossen werden kann.

BP-Topmanager Doug Suttles gab sich optimistisch. "Wir machen weiterhin gute Fortschritte." Bereits während des Tests des neuen rund 30 Meter hohen Zylinders könne die Fontäne aus dem Bohrloch erstmals komplett aufgehalten werden, sagte Allan. "Wir können das Loch komplett abdichten", hoffte er.

Auf eine endgültige Lösung muss aber noch voraussichtlich bis Mitte August gewartet werden. Auch wenn die Operation "Top Hat 10" mit einem Erfolg endet, werde BP zwei Entlastungsbohrungen zum Ursprung der Quelle tief im Meeresgrund fortsetzen, betonte Suttles. Dort solle das Steigrohr mit Schlamm und Zement verschlossen werden.

Trotz der Anstrengungen von BP, bleibt die US-Regierung skeptisch, ob die Industrie es tatsächlich schaffe, solche Katastrophen in den Griff zu bekommen. Innenminister Ken Salazar kündigte deshalb einen neuen Anlauf für ein Verbot von Tiefsee-Ölbohrungen an.

Sein Ministerium stellte ein überarbeitetes Moratorium vor, das im Gegensatz zu einer früheren, vor Gericht vorläufig gescheiterten Fassung ein konkretes Ende nennt. "Ein Stopp ist nötig, um die Gemeinden, Küsten und die Umwelt vor den Gefahren zu schützen, die Tiefsee-Bohrungen derzeit darstellten", sagte Salazar. Das Verbot soll dann spätestens am 30. November wieder auslaufen. 

Zuvor war die Regierung mit einem sechsmonatigen Verbot gleich in zwei Gerichtsinstanzen gescheitert. Die Richter bemängelten, der Schritt sei nicht ausreichend begründet. Gegen die staatlich verhängte Zwangspause waren Vertreter der Ölbranche vor Gericht gezogen.