So hoch wie ein zehnstöckiges Haus und so lang wie drei Fußballfelder – A Whale ist ein echter Riese. Der umgebaute Tanker soll den Einsatzkräften im Golf von Mexiko dabei helfen, die Ölpest in den Griff zu bekommen. Das Schiff soll öliges Wasser aufsaugen und gereinigt wieder zurück ins Meer geben.

Bis zu 80 Millionen Liter Wasser pro Tag können angeblich vom Öl befreit werden. Experten bezweifeln jedoch, ob das Schiff wirklich so effektiv sein wird, da nur die Meeresoberfläche gereinigt werden kann. Große Teile des Öls treiben aber in der Tiefe. Auch wird das Wasser durch die Filter nicht zu 100 Prozent gereinigt.

Die Umweltbehörde wollte den Einsatz des Tankers zunächst nicht erlauben. Denn ein Gesetz besagt, dass es verboten ist, ölhaltiges Wasser ins Meer abzulassen. Am Wochenende wurde das Schiff nun dennoch im Krisengebiet  erprobt. Die amerikanischen Behörden bestanden auf eine 48-stündigen Testphase, um herauszufinden, was A Whale tatsächlich leisten kann. Erste Ergebnisse könnten dem amerikanischen TV-Sender CNN zufolge noch am Montag vorliegen.

Erweist sich das Reinigungsschiff als erfolgreich, könnte der Tanker noch vor Mitte der Woche mit dem Dauerbetrieb beginnen. Es wäre für ihn der erste Einsatz dieser Art. Die taiwanesische Gesellschaft TMT rüstete A Whale eigens für die Aufgabe im Golf von Mexiko um. So erhielt der Ozeanriese zwölf Öffnungen, aus denen das gereinigte Wasser ausgelassen werden kann.

Auch andernorts nahmen die Helfer im Golf ihre Arbeit wieder auf. Fünf Tage lang hatte zuvor der Wirbelsturm Alex ihren Einsatz gegen die Ölpest behindert. Nun ist der Hurrikan aus dem Golf abgezogen, sodass die Arbeiten weitergehen können. Angaben der Küstenwache zufolge wurden seit Sonntag vor der Küste des Bundesstaats Louisianas wieder Schiffe eingesetzt, die das Öl aus dem Wasser abschöpfen. Schwimmende Barrieren, die das Öl von den Küsten fernhalten sollen, würden ebenfalls neu ausgelegt. In den Bundesstaaten Alabama, Mississippi und Florida blieben die Schiffe aber vorerst weiter in den Häfen.

BP kündigte an, ab Mittwoch deutlich mehr Öl aus der sprudelnden Quelle am Meeresgrund abzusaugen. Dazu soll ein drittes Schiff mit einem Container über dem Leck verbunden werden. Der britische Konzern teilte mit, die Ölpest habe ihn bislang 3,12 Milliarden Dollar gekostet. Darin enthalten seien 147 Millionen Dollar an Entschädigungszahlungen. Seit dem Untergang der Bohrplattform Deepwater Horizon am 20. April strömen aus dem defekten Bohrloch große Mengen Öl aus . Viele Branchenexperten gehen davon aus, dass sich die endgültigen Kosten für BP auf Zigmilliarden Dollar belaufen werden .

Tierschützer planen unterdessen eine bislang einmalige Rettungsaktion für Meeresschildkröten . Angesichts des Ausmaßes der Ölpest sollen in den nächsten Tagen Tausende Eier an den Stränden des Golfs ausgegraben und nach Cape Caneveral in Florida gebracht werden. Dort sollen die Reptilien in einem Lagerhaus schlüpfen und dann an verschiedenen Orten in die Natur entlassen werden, dorthin, wo sie sicher vor dem Öl sind. Allerdings werden die Aktion wohl nicht alle Schildkröten überleben – trotz des Einsatzes klimatisierter und gefederter Lastwagen.

Die zuständige Behörde zum Schutz von Leben in der Wildnis plant zudem laut Los Angeles Times Hilfe für die Millionen von Zugvögeln, die sich schon bald auf die Reise machen werden. In den Marschen an den Küsten, aber auch weiter im Inland sollen "Migrations-Stationen" entstehen – Orte, an denen die Vögel geschützt vor der rostbraunen Schmiere futtern können. Hierfür sollen die örtlichen Landbesitzer Buschwerk ausdünnen oder auch gezielt abbrennen, um das Gebiet für die gefiederten Gäste zu öffnen. Nicht alle Vögel werden diese Stationen jedoch auch tatsächlich aufsuchen.