Katzen gelten als Meister des Anschleichens, die sich heimlich ihrer Beute bis auf kürzeste Distanz nähern können. Sitzt das potenzielle Opfer allerdings außer Reichweite, greifen zumindest manche Raubkatzenarten auf noch perfidere Tricks zurück, wie Forscher der New Yorker Wildlife Conservation Society im Amazonasregenwald bemerkt haben.

Während einer Exkursion im Naturschutzgebiet Adolpho Ducke beobachteten die Biologen um Fabio Rohe, wie Zweifarbentamarine (Saguinus bicolor) – eine Krallenaffenart – in einem Feigenbaum fraßen. Plötzlich hörten sie die Rufe von Affenbabys, die aus einem Gewirr von Lianen und anderen Schlingpflanzen in Bodennähe drangen. Die klagenden Laute erregten nicht nur die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler, sondern auch die eines wachsamen Tamarin-Affen, der rasch aus der Krone herab kletterte – gefolgt von vier weiteren neugierigen Äffchen.

Erschienen bei spektrumdirekt.de Plötzlich sprang ein Margay (Leopardus weidii) – eine ozelotähnliche Kleinkatze aus dem Dickicht – und attackierte die Tamarine. Das Kundschafteräffchen hatte allerdings die Gefahr gerade noch rechtzeitig bemerkt und einen Warnruf ausgestoßen, so dass es sich mit seinen Artgenossen in Sicherheit bringen konnten. Da kein anderes Tier in der Nähe war, musste die Margay-Katze die Affenlaute imitiert haben – erstmals konnte damit von Wissenschaftlern nachgewiesen werden, dass Neuweltkatzen zum Mittel der Nachahmung greifen, um ihr Jagdglück zu forcieren.

Bislang kursierten vor allem Anekdoten von indianischen Ureinwohnern der Region, die ein derartiges Verhalten mitbekommen hatten. Sogar Pumas und Jaguare hätten demnach schon versucht, mit Stimmenmimikry Beute wie Affen oder Agoutis – rattenähnliche Nagetiere, die einen halben Meter lang werden können – in ihr Verderben zu locken. Entsprechende Nachforschungen sollen nun am Amazonas verstärkt werden.