Die endgültige Versiegelung des monatelang leckenden Bohrlochs im Golf von Mexiko verschiebt sich weiter. US-Krisenkoordinator Thad Allen sagte, dass die Bottom-Kill -Methode vorerst gestoppt wurde. Bei früheren Arbeiten am Bohrloch sei möglicherweise Zement in die Ringkammer der Bohrleitung gelangt und schließe dort Rohöl ein. Während des geplanten Verfahrens aber werde "Druck erzeugt", sagte Allen weiter. Bevor er der Betreibergesellschaft BP die Anweisung zur Anwendung der Methode gebe, müsse jedoch klar sein, wie sich der Druck auswirken könnte und welche Gegenmaßnahmen gegebenenfalls möglich wären.

Bei der Bottom-Kill -Methode sollen zur dauerhaften Versiegelung des Bohrlochs Schlamm und Zement durch Entlastungbohrungen am unteren Ende der Bohrleitung eingeführt werden. Mit der Static-Kill -Methode war es den BP-Ingenieuren Anfang August gelungen, das Bohrloch am oberen Ende zu verschließen . Dies gilt aber nicht als dauerhafte Lösung.

Seit der Explosion der Deepwater Horizon am 20. April waren aus dem lecken Bohrloch Behördenangaben zufolge rund 780 Millionen Liter Rohöl ausgelaufen. Damit ist das Unglück der größte Ölunfall der Geschichte.

Als Konsequenz aus der Katastrophe will die US-Regierung künftig Bohrgenehmigungen an erheblich schärfere Umweltauflagen knüpfen. Wie die New York Times in ihrer Onlineausgabe berichtete, kündigte die Regierung an, in Zukunft vor der Erteilung der Genehmigung die Auswirkungen der Bohrungen auf die Umwelt ausführlich untersuchen zu lassen. Dies wäre eine Abkehr von der bisherigen Praxis: Bislang seien entsprechende Anträge auch für potenziell gefährliche Tiefseebohrungen wie im Fall BP mehr oder weniger durchgewunken worden, schrieb das Blatt. "Unsere Entscheidungen müssen in voller Kenntnis der potenziellen Folgen für die Umwelt erfolgen", hieß es in einer Erklärung von Innenminister Ken Salazar.

Derzeit sind Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko ausgesetzt. Die Ankündigung aus Washington bedeutet für die Ölfirmen künftig weitaus umfangreichere und langwierigere Genehmigungsverfahren. Auch im Flachwasser sollen künftig schärfere Umweltauflagen gelten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Derweil zweifelten Forscher von der Universität von Georgia einen Regierungsbericht an, wonach etwa drei Viertel des ausgelaufenen Öls bereits beseitigt sein sollen . Sie gehen nach einer Analyse des Reports vielmehr davon aus, dass bis zu 80 Prozent des Öls keineswegs verschwunden sei und daher nach wie vor die Ökosysteme im Golf von Mexiko bedrohe. "Es ist ein Missverständnis, dass sich das im Wasser gelöste Öl verflüchtigt hat und deshalb harmlos ist", sagte Charles Hopkins, Professor für Meereskunde an der Universität. "Das Öl ist immer noch da draußen, und es wird Jahre dauern, bis es vollständig abgebaut ist ."

Das Wall Street Journal wies allerdings darauf hin, dass die Ergebnisse der Meereskundler bislang noch in keiner wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht und zudem noch nicht von anderen Fachleuten begutachtet wurden.