Zwei Katastrophen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und doch sind sich mehrere Wissenschaftler aus Großbritannien, den USA und Deutschland einig: Die Hitzewelle rund um Moskau und die Überschwemmungen in Pakistan hängen meteorologisch miteinander zusammen. Auslöser ist eine großräumige Wetterlage. Während es in Pakistan schüttete und der Indus und seine Nebenflüsse nun über die Ufer tritt, glühte der Westen Russlands bei Temperaturen um 40 Grad Celsius.

Die Folgen sind dramatisch. In Pakistan stehen derzeit riesige Gebiete unter Wasser, mindestens 14 Millionen Menschen sind von den Überschwemmungen betroffen. Ein humanitäres Desaster von historischem Ausmaß, "schlimmer als der Tsunami von 2004 oder das Beben von Haiti", sagen die Vereinten Nationen. Rund 3500 Kilometer weiter nordwestlich fehlt den Menschen Wasser. Russland kämpft gegen verheerende Wald- und Torfbrände. Die Hauptstadt Moskau ist gefangen unter einer giftigen Dunstwolke, die Sterberate ist angestiegen, mehr als 10 Millionen Hektar Ackerland sind bereits verbrannt.

Forschern zufolge besteht die Verbindung zwischen beiden Wetterdesastern in einer kräftigen Luftströmung oberhalb von 10 Kilometern Höhe: dem Jet Stream, der sich um die ganze Erde zieht und das Wetter mitbestimmt. Normalerweise schlängelt sich der Pfad des Strahlstroms auf der Nordhalbkugel mal hier, mal da lang. Doch seit Mitte Juli war der Jet wie festgenagelt. Meteorologen kennen dieses Phänomen und nennen es "Blocking".  Über Osteuropa machte der Jet nun einen Bogen nach Norden um die Hitze in Russland herum und dann einen ungewöhnlich südlichen Schlenker nach Pakistan. Dieses Muster blieb wochenlang bestehen und verstärkte das lokale Wetter. Wo es zunächst nur warm war, wurde es bald heiß. Wo es regnete, regnete es sich ein.

Ungewöhnlich war für Pakistan die Regenmenge dennoch. Dass es dort im Sommer schüttet, ist im Prinzip ganz normal. "Der Sommerregen gehört zum großen Monsunsystem in Südasien, das sich auch über Indien, Bangladesch und Nepal erstreckt", erklärt Moetasim Ashfaq. Der US-Forscher arbeitet am Oak Ridge Climate Change Science Institute in Tennessee. Er kennt den Monsun aus eigener Erfahrung, denn Pakistan ist sein Heimatland.

Es beginnt jedes Jahr im Frühling. Die Sonne heizt die südasiatischen Landmassen auf – schneller als den Ozean. Das geht Woche für Woche so, Monat für Monat. Die heiße Luft über Indien steigt auf, und im Sommer bildet sich ein Gebiet tiefen Luftdrucks, das einen Sog erzeugt. Dann beginnt der Monsun zu wehen, der feuchte Wind vom Meer. Er trägt von Wasser gesättigte Wolken über Indien und die angrenzenden Länder. Der Regen, der daraus fällt, speist die großen Ströme der Region: Ganges, Indus, Brahmaputra.