In Russland kämpfen Hunderttausende Feuerwehrleute weiter gegen die verheerenden Waldbrände, bei denen bislang mehr als 30 Menschen starben. Nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums standen im ganzen Land weit mehr als 100.000 Hektar Wald in Flammen. Neben dem europäischen Teil Russlands ist mittlerweile auch der ferne Osten des Landes von den Feuern betroffen.

Insgesamt 238.000 Feuerwehrleute, 25.000 Fahrzeuge und 226 Flugzeuge und Hubschrauber kämpfen gegen Hunderte Feuer in Russland, die wegen der seit Wochen anhaltende Gluthitze ausgebrochen sind . Unterstützt werden die Feuerwehrleute von mehr als 2000 Soldaten der Armee, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur Itar-Tass sagte.

Rund um die Hauptstadt Moskau brennen zudem riesige Torfflächen. In den ausgetrockneten Sumpfgebieten schwelen die Flammen in mehreren Metern Tiefe. Sie lassen sich daher von den Rettungskräften kaum löschen. Zu allem Überfluss mangelt es an Wasser für die Brandbekämpfung. Auch im Osten des Landes wüten nun Brände. Wie Itar-Tass unter Berufung auf die Forstbehörden meldet, verdreifachte sich binnen 24 Stunden  die von den Bränden heimgesuchte Fläche. Besonders betroffen sei die Halbinsel Kamtschatka.

In 14 Regionen wurde der Ausnahmezustand verhängt. Zehntausende Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen. Stellenweise haben sich die Feuer wegen starker Winde mit bis zu 100 Metern in der Minute ausgebreitet. Besonders dramatisch ist die Lage in Nischni Nowgorod, etwa 400 Kilometer östlich von Moskau. Dort sind die Verwüstungen am größten. Die Polizei verstärkte ihr Personal, um gegen Plünderer und Brandstifter vorzugehen. In der Region liegt auch das atomare Forschungszentrum Sarow. Es gelte nun, vor allem die Nuklearanlagen vor den Flammen zu schützen, sagte Zivilschutzminister Sergej Schoigu. Schlechte Sichtbedingungen erschwerten den Einsatz von Löschflugzeugen. Mehrere Flugzeuge vom Typ Iljuschin Il-76 mit besonders großen Wassertanks sowie Hubschrauber waren am Sonntag in der Luft.

Klicken Sie auf das Bild, um die Fotostrecke zu öffnen © Mikhail Voskresensky/Reuters

"In 17 Regionen ist die Lage so, dass sie sich weiter verschlimmern kann", sagte Schoigu. In vielen Gebieten hatten die Flammen bereits in den vergangenen Tagen Hunderte Häuser in Schutt und Asche gelegt. Helfer brachten in den besonders betroffenen Gebieten in Zentralrussland Dutzende Kinder in Sicherheit. Weil bereits ganze Dörfer in Flammen aufgegangen sind, haben Tausende Menschen ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Viele Häuser in der russischen Provinz sind aus Holz und fangen besonders schnell Feuer.

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin, sagte den Betroffenen im russischen Fernsehen den Wiederaufbau ihrer Häuser bis Oktober sowie die Bereitstellung von Hilfsgeldern in Höhe von insgesamt fünf Milliarden Rubel (rund 126 Millionen Euro) zu. Putin hatte die Region Nischni-Nowgorod bereits am Freitag besucht und den Bewohnern eines betroffenen Dorfes schnelle Hilfe versprochen. Zugleich kritisierte er die Provinzverwaltungen dafür, dass nicht alles getan worden sei, um ein solches Ausmaß der Brände zu vermeiden. Er kündigte Konsequenzen für die Verantwortlichen an.