Flüsse und Gewässer schenken Mensch und Tier kostbares Trink- und Nutzwasser. Zahlreiche Arten tummeln sich in und um die Flussläufe der Erde. Doch der Mensch verseucht und verdreckt die fließenden Gewässer zunehmend. Ein internationales Forscherteam hat nun erstmals kartografiert, wo die Abwässer aus Landwirtschaft und Industrie, dichte Besiedlung durch den Menschen und eingeschleppte Tierarten die schlimmsten Schäden anrichten. Die Flüsse des Planeten stecken in der Krise, lautet das Resultat im Magazin Nature .

"Im Jahr 2000 lebten vier von fünf Menschen in Flussregionen, deren Wasserqualität und Artenvielfalt stark gefährdet war", sagen die US-Forscher Charles Vorosmarty von der städtischen Universität von New York und Peter McIntyre von der Uni Wisconsin . Sie berechneten, dass vor allem intensives Bewirtschaften von Äckern und dichte Besiedlung die Flüsse stark belaste. In Europa seien so zum Beispiel fast alle Flussregionen bedroht – mit Ausnahme von Skandinavien und Nordrussland. Auf der Karte ist Zentraleuropa ein einziger roter Fleck (siehe unten). Weitere gefährdete Wasseradern sind etwa der Mississippi in den USA, der Ganges in Indien und der Yangtse im Osten Chinas.

Nur wenige Fließgewässer ließ der Mensch laut Vorosmarty und McIntyre unberührt. Diese liegen im hohen Norden der Erdkugel, in Sibirien, Kanada und Alaska sowie in den unbesiedelten tropischen Regionen, wie dem Amazonasbecken oder Nordaustralien. Je weniger das Gebiet rund um die Flüsse besiedelt sei, desto besser ist die Qualität des Wassers, wie etwa im Amazonas-Regenwald. Hier verdünnt das Wasser Schadstoffe oder sie setzen sich am Grund ab.

Wo wird Trink- und Nutzwasser zu intensiv verbraucht? Vor allem Landwirtschaft und dichte Besiedlung belasten die natürlichen Wasservorräte in vielen Teilen der Erde. Rote Flächen stehen für stark belastete Gebiete, grün für moderat und blau für kaum beeinflusste Regionen

Um das Ausmaß der Verschmutzung greifbar zu machen, haben die beiden Wissenschaftler eine hochaufgelöste Weltkarte erstellt. Sie fütterten ihre Computer mit insgesamt 23 verschiedenen Umweltstressfaktoren. Diese berücksichtigen zum Beispiel, in welchen Regionen der Mensch Dämme baut, Felder düngt, Brücken und Straßen errichtet oder Wälder für die Landwirtschaft rodet. Auch Daten zu eingeschleppten Arten und zur industriellen Fischzüchtung flossen in das Ergebnis ein. Eine spezielle Software berechnete die gesamten Daten und fasste sie in einem Index zusammen. Anschließend konnten die Forscher die Werte in eine Weltkarte einzeichnen.

Während reiche Länder zunehmend Geld in die Verbesserung der Wasserqualität steckten, litten arme Länder weiterhin unter schlechtem Wasser. Die Industriestaaten bekämpfen zudem nicht die eigentlichen Ursachen der Verschmutzung, sondern allenfalls ihre Auswirkungen. Vorosmarty und Peter McIntyre empfehlen daher, vor allem Flussauen zu schützen. Denn diese könnten die teure Aufbereitung von Trinkwasser überflüssig machen. Zudem wirkten sie Überschwemmungen entgegen.

Die Forscher sagen, es könne Jahrzehnte dauern, bis Politiker auf die Umweltprobleme angemessen reagieren. "Solange sind weite Teile der Erdbevölkerung und unzählige Tiere und Pflanzen in Gefahr."