ZEIT ONLINE : Wie stellen Sie sich denn die Zukunft unserer Energieversorgung vor?

Moore : Letztlich muss es darauf hinauslaufen, die fossilen Energieträger zu reduzieren. Nicht nur wegen der Folgen für den Klimawandel, sondern auch für den Umweltschutz. Das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas verschmutzt nicht nur die Luft, sondern ist auch eine der größten Gesundheitsgefahren. Schließlich geht es noch um Energiesicherheit und geopolitische Gründe. Die USA sind vom Mittleren Osten abhängig, was Kraftstoffe für den Verkehr angeht. Westeuropa hängt an Russlands Gasvorkommen. Die Atomenergie könnte die Lösung sein. Sie liefert den Strom etwa für Erdwärmepumpen, die unsere Gebäude heizen und kühlen ohne dass fossile Energieträger verbraucht werden müssten. Schließlich könnte man Atomstrom nutzen, um die Batterien für künftige Elektroautos zu laden. Wenn das alles zusammen greift, sinkt der Anteil der fossilen Brennstoffe um mindestens 50 Prozent.

ZEIT ONLINE : Das bedeutet, Sie sehen keinerlei Alternativen zur Atomenergie?

Moore : Erneuerbare Energien wie Wind und Solarkraft werden niemals eine Alternative sein. Zumindest nicht zu beständig Strom liefernden Kohle- oder Atomkraftwerken. Eine Option sind  noch Wasserkraftwerke. In Kanada stammen rund 60 Prozent der Energie aus Wasserkraft, in der Schweiz ist es sogar noch etwas mehr. Das Problem ist aber, dass Wasserkraftwerke nur in bestimmten Regionen sinnvoll sind. Das hängt vom Niederschlag und der Topografie ab. Ohne Atomkraft geht es letztlich nicht. In Europa haben Frankreich, Schweden und die Schweiz dank ihres Energiemix vor allem aus Atomstrom und Wasserkraft den niedrigsten CO 2 -Ausstoß pro Kopf. Die höchsten Emissionen produzieren England, Deutschland, Polen und Dänemark. Diese Länder sollten anfangen, neue Atomkraftwerke zu bauen.