In 13 Ländern gibt es noch frei lebende Tiger. Doch der Bestand schrumpft: Durch Wilderei und Schmuggel ist die Art in ihrer Existenz bedroht. Deshalb haben die Staats- und Regierungschefs der Länder, in denen die Wildkatze noch vorkommt, auf einer Konferenz in St. Petersburg Hilfsmaßnahmen beschlossen. Russlands Premier Wladimir Putin vereinbarte mit seinem chinesischen Kollegen Wen Jiabao grenzüberschreitende Schutzzonen. Der frühere Kremlchef kündigte zudem härtere Strafen für Wilderer und Schmuggler an.

In einer live vom Staatsfernsehen übertragenen Rede versprach Putin weiterhin, dass im Fernen Osten Russlands künftig beim Bau von Siedlungen und Straßen die Rückzugsgebiete der dort lebenden etwa 450 Amur-Tiger stärker berücksichtigt würden. In den vergangenen Jahrzehnten habe eine gnadenlose Jagd nach Trophäen fast zum Aussterben der größten Raubkatzen der Erde geführt, kritisierte er.

Wen Jiabao kündigte "effektive Schritte" der Führung in Peking an, nannte aber keine Details. Weltbank-Präsident Robert Zoellick sprach nach einem Treffen mit Wen Jiabao von einer "konstruktiven Haltung". China gilt als ein Schlüsselland beim Tigerschutz, da die Großkatzen dort zur Herstellung fragwürdiger medizinischer Präparate begehrt sind. Bei dem Gipfel versprach Putin außerdem, Kasachstan und Iran beim Wiederansiedeln der Tiger zu unterstützen.

"Mit unseren Maßnahmen kann diese Zahl bis 2022 auf 6000 steigen", sagte der russische Regierungschef. Unklar ist allerdings noch die Finanzierung des Programms. Von den benötigten 350 Millionen US-Dollar (etwa 255 Millionen Euro) wurden auf dem Gipfel lediglich 127 Millionen angekündigt. Das Bundesumweltministerium hatte auf dem Treffen angekündigt, neben vier Millionen Euro für russische Tigerschutzprojekte weitere acht Millionen Euro in Südostasien investieren zu wollen.

Die Umweltstiftung WWF sprach trotz der noch bestehenden Finanzierungslücke von einem "historischen Moment". "Das bisher bereitgestellte Geld durch Geberländer und Institutionen genügt noch nicht, um den globalen Rettungsplan umzusetzen, aber der Anfang ist gemacht", sagte WWF-Experte Volker Homes. Seine Organisation will gemeinsam mit Partnern vier Millionen Euro in den internationalen Tigerschutz stecken. Auch der Schauspieler Leonardo DiCaprio war in St. Petersburg zugegen und versprach eine Spende von einer Million Dollar für das Programm.

Die viertägige Konferenz war nach WWF-Angaben das erste Treffen, auf dem Regierungschefs über das Schicksal einer einzigen Tierart berieten. Von einst neun Tiger-Unterarten existieren heute nur höchstens noch sechs. Anfang 2010, zu Beginn des chinesischen Jahr des Tigers, hatten Tierschützer in vielen Ländern eine Offensive zur Rettung der Spezies gestartet. Vor 100 Jahren gab es weltweit noch schätzungsweise 100.000 frei lebende Tiger. Heute leben in freier Wildbahn nur noch etwa 3200 der Raubkatzen – in Bangladesch, Birma, Butan, China, Indien, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Nepal, Russland, Thailand und Vietnam.