Der Gran Chaco ist eines der letzten großen Wildnisgebiete der Erde und Heimat von etwa 50 unkontaktierten Indianern. Nun sollte eine Expedition des Londoner Natural History Museum zusammen mit einheimischen Forschern des Museo National de Historia Natural de Paraguay, der Universidad Nacional de Asuncion und der Umweltorganisation Guyra Paraguay in zwei ausgewiesenen Schutzgebieten den Artenreichtum des Trockenwaldes in Paraguay studieren. Doch die Wissenschaftler dürfen aus Sorge um die Gesundheit der Ureinwohner nicht starten.

Unterdessen geht die großräumige Zerstörung des Ökosystems durch von der Regierung meist erlaubte Ansiedlung von ländlichen Betrieben (Vieh- und Landwirtschaft) weiter. Unser Autor sprach aus diesem Grund mit John Burton, der schon mehrfach im Chaco war und dessen Organisation "World Land Trust" mit Spenden versucht, möglichst viel Land zu kaufen und damit Mensch und Tier zu schützen.

Frage: Herr Burton, war es eine kluge Entscheidung der paraguayischen Regierung, die Expedition vorerst auszusetzen?

John Burton: Nein, ich denke nicht. Die gegnerischen Argumente beruhten auf mangelndem Wissen über Ziel und Ablauf der Expedition: Sie sollten wohl einfach nur Unruhe stiften. Aber der Druck einiger kleiner Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die sich mit Belangen der Ureinwohner beschäftigen, bewog Umweltminister Oscar Rivas dazu, die Forschungsreise vorerst zu stoppen – drei Tage vor dem Start, nach zwölf Monaten Planung und obwohl die meisten seiner Mitarbeiter eigentlich dafür sind und sich daran beteiligen wollten.

Frage: Warum kämpfen diese Organisationen gegen die Expedition? 

Burton: Laut den verlässlichsten Quellen in Paraguay leben im Chaco noch ungefähr 50 Ayoreo isoliert von der Außenwelt, das heißt, sie haben bislang den Kontakt mit Außenstehenden vermieden. Einige Organisationen befürchteten nun, dass diese Menschen durch die Expedition Schaden nehmen könnten – etwa durch eingeschleppte Krankheiten. Dabei haben die Ayoreo nun aber sogar selbst darauf gedrängt, dass eine Organisation dieser Protestbewegung, die Iniciativa Amotocodie, rechtlich überprüft wird: Die Ureinwohner beschweren sich über Lügen und die fehlende Zustimmung der Ayoreo, dass eine internationale Kampagne gestartet wurde, ohne zuvor die nationalen Eingriffsmöglichkeiten auszuschöpfen.