China hat erstmals unumwunden zugegeben, die Atmosphäre mit mehr Treibhausgasen als jedes andere Land zu verschmutzen. Der für die internationalen Klimaverhandlungen des Landes zuständige Xie Zhenhua sagte bei der Vorstellung der Regierungsposition zum nächsten Klimagipfel, der in Cancun stattfindet in: "Wir sind jetzt weltweit auf dem ersten Platz beim Emissionsvolumen."

Westliche Wissenschaftler verweisen bereits seit mehreren Jahren, dass China die USA schon im Jahr 2006 oder 2007 als weltgrößten Klimasünder überholt hat. Bislang hat sich die Regierung in Peking diesen Titel jedoch nicht vorbehaltlos zu eigen gemacht – sie erklärte stets, dass dies möglich sei, aber zur Klärung dieser Frage weitere Untersuchungen nötig seien und dass zudem die Emissionen pro Einwohner ein gerechterer Maßstab seien.

Trotz seines Eingeständnisses sagte Xie, dass die reichen Länder bei der Emissionsbegrenzung eine Vorreiterrolle übernehmen müssten – schließlich hätten diese insgesamt mehr zum Treibhauseffekt beigetragen als die Schwellenländer. Tatsächlich waren die USA der größte Klimasünder des 20. Jahrhunderts.

Xies Äußerungen zu Chinas Rolle bei Treibhausgasen kommen der politischen Führung des Landes nicht gelegen. Auf der Internet-Seite der Regierung wurde zwar eine Abschrift der Pressekonferenz veröffentlicht – aber ohne die entsprechende Passage. Auch die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua berichtete nicht über das Eingeständnis.

Auch wenn China als größter Klimasünder sich in Umwelt- und Klimafragen langsam öffnet und Diskussionsbereitschaft zeigt, erhoffen sich Beobachter wenig von dem Klimagipfel in Mexiko , der am 29. November beginnt. Ein rechtsbindendes Nachfolgeabkommen, das über die Vereinbarungen des Kyoto-Protokolls hinausgeht, wird dort wohl nicht beschlossen.