Im mexikanischen Cancún verhandeln derzeit Minister über den Schutz der Atmosphäre. Die UN-Tagung soll ein Nachfolgeabkommen für den Beschluss aus dem japanischen Kyoto-Protokoll von 1997 aushandeln. Verabschiedet werden soll das dann bei der Folgekonferenz 2011 in Südafrika.

Deutschland hatte die Erwartungen niedrig gehalten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon redete den Ministern eindringlich ins Gewissen und mahnte konkrete Schritte an. "Je länger wir zaudern, desto mehr müssen wir zahlen – wirtschaftlich, ökologisch und in Menschenleben", sagte er in Cancún bei der Eröffnung der Ministerrunde.

Es geht im Wesentlichen darum, wie stark die Industrie- und Schwellenländer ihren Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid reduzieren müssen, um die Atmosphäre wirksam vor Überhitzung zu schützen. Die Industriestaaten verfolgen das Ziel, den Temperaturanstieg innerhalb dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu begrenzen.

Ban sagte, die Forscher des Weltklimarates hätten gezeigt, dass die Emissionen in der nächsten Dekade ihren Höhepunkt überschritten haben müssen. "Um das zu erreichen, brauchen wir hier Ergebnisse."

Sicher lasse sich in Cancún kein perfektes Werk erzielen, sagte er, es gebe aber durchaus Fortschritte beim Waldschutz, der Anpassung ärmerer Staaten an die Folgen des Klimawandels oder beim Technologietransfer. Nötig seien Fortschritte bei den schwierigen Themen der Reduktionsziele für Treibhausgas, Regeln für die Überprüfung der Beschlüsse und betreffs der Zukunft des Kyoto-Protokolls.

Ist die Klimapolitik noch zu retten? Alles zum Weltklimagipfel in Cancún © Alfredo Estrella/AFP/Getty Images

"Lasst uns nicht vergessen: Die Natur wartet nicht, während wir verhandeln", mahnte Ban die Vertreter von über 190 Staaten, davon rund 20 Staats- und Regierungschefs. In vier Jahrzehnten gebe es voraussichtlich neun Milliarden Menschen auf der Erde. Zugleich müssten die Staaten den Ausstoß von Treibhausgas um 50 Prozent senken.

Die Leiterin des UN-Klimasekretariats Christiana Figueres forderte die Staaten auf, kurzfristige nationale Interessen zurückzustellen. Angesichts der Tatsache, dass von Überflutung bedrohte Inselstaaten bereits die Rettung ihrer gesamten Bevölkerung vorbereiteten, müssten sie "beweisen, dass die Regierungen der Welt wirklich zu einer Antwort bereit sind".

Die bisherigen, gut einwöchigen Beratungen von Fachbeamten hatten wenig konkrete Ergebnisse erbracht. Als positiv wurde aber gewertet, dass China sich zu einer internationalen Überprüfung seiner nationalen Klimaschutzanstrengungen bereit erklärte . Die Bundesregierung unterzeichnete eine Vereinbarung mit der Weltbank, wonach Deutschland 44 Millionen Euro für Waldschutzprojekte zur Verfügung stellt. Das Geld ist ein Teil der auf der UN-Klimaschutzkonferenz vor einem Jahr in Kopenhagen zugesagten Mittel.

Das UN-Umweltprogramm Unep stellte eine Studie über das Abschmelzen von Gletschern vor. Demnach sind wegen des Verlusts wichtiger Wasserspeicher hunderte Millionen Menschen erst durch Überflutungen und später durch Dürre bedroht. Der Bericht zeigt einen weltweiten rapiden Rückgang der Gletschermasse, neben Asien besonders massiv in Südamerika und Alaska. Allerdings gebe es regional auch gegenläufige Trends, zum Beispiel bei Gletschern in Europa und Neuseeland.