Die Verhandlungen auf der UN-Klimaschutzkonferenz im mexikanischen Cancún bleiben auch in der Schlussphase sehr zäh. Hauptstreitpunkt ist die Zukunft des Kyoto-Protokolls , die nun ausgerechnet von Japan – hier war das erste weltweite Klimaschutzabkommen entstanden – infrage gestellt wird. Unterstützt von Kanada und Russland droht die japanische Delegation mit einer Blockade eines neuen verpflichtenden Vertrags – wenn dieser nicht auch China und andere große Verursacher von Treibhausgasen, etwa die USA einbezieht.

Die drei Länder begründen ihre Haltung damit, dass die Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls nur 27 Prozent der globalen CO2-Emissionen betreffen. Die beiden Haupt-Emittenten USA und China mit zusammen 40 Prozent der Emissionen aber würden außen vor bleiben. Dies dürfte mit ein Grund dafür sein, das neben vielen Schwellen- und Entwicklungsländern auch China an der Forderung festhält, das Kyoto-Protokoll weiter fortzuschreiben.

Ist die Klimapolitik noch zu retten? Alles zum Weltklimagipfel in Cancún© Alfredo Estrella/AFP/Getty Images

"Ein Nachfolgeabkommen ist kein effektiver Weg, um den Klimawandel zu bekämpfen", sagte hingegen der japanische Delegierte Akira Yamada. Man plädiere deshalb dafür, lieber den vor einem Jahr ausgehandelten Kopenhagen-Akkord als Grundlage für ein neues Klimaschutzabkommen zu nehmen, schließlich umfassten die dabei vorgelegten nationalen Vorschläge 80 Prozent der Treibhausgase. Die unverbindlichen Vereinbarungen, auf die sich die Staatengemeinschaft im Dezember 2009 in der dänischen Hauptstadt nach ebenfalls zähen Verhandlungen geeinigt hatte, würden dann zu offiziellen Konferenzbeschlüssen aufgewertet. Ein Kernpunkt ist dabei die Festschreibung des Ziels, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen , woraus sich Vorgaben für die Senkung von Treibhausgasemissionen ableiten ließen.

Auch Deutschlands Umweltminister Norbert Röttgen sagte, es sei ein weit verbreitetes Missverständnis, dass das Kyoto-Protokoll das entscheidende Instrument sei, um dem Klimawandel zu begegnen. Allerdings nannte er die japanische Haltung eine Position, die nicht weiterführe.

Überhaupt zeigte sich der CDU-Politiker frustriert über die zähen Verhandlungen in Mexiko , bei denen auch kurz vor Schluss noch um Verfahrensfragen und einzelne Formulierungen gerungen werde. "Langsamkeit ist schon fast eine diplomatische Formulierung", sagte Röttgen. Behindert würden Fortschritte vor allem dadurch, dass "keiner sich zu früh bewegen" wolle. "Meine Sorge ist, dass sich am Ende keiner bewegt hat."

Somit stünden auch einzelne Ergebnisse wieder auf dem Prüfstand, denn bei der Konferenz würden nicht täglich Punkte abgehakt, sondern alles sei im Fluss und hänge miteinander zusammen. So könnten die Abkommen zum Erhalt der Wälder und ein grüner Fonds, um Entwicklungsländer bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen , wohl erst dann verabschiedet werden, wenn man bei der Überwachung und Messung der Reduktion von Treibhausgasen zu einer Entscheidung komme. "Die Verhandlungen hierüber waren teilweise weit fortgeschritten, ein Erfolg hängt aber auch hier vom Zustandekommen eines Gesamtpakets ab."