Die große Hoffnung von Cancún trägt einen sperrigen Namen: Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation, kurz REDD. Das Programm der Vereinten Nationen soll den Klimaschutz fördern, indem es jene Länder finanziell entschädigt, die ihre Waldflächen schützen. Auch für die Wiederaufforstung zerstörter Waldflächen (REDD+) soll es Geld geben. Dies würde es vor allem für arme Staaten attraktiver machen, sich stärker gegen die Abholzung ihrer Wälder zu stemmen. REDD könnte auf dem Klimagipfel gar ein wichtiger Zwischenschritt zu einem Kyoto-Folgeabkommen sein.

Der Wald hat im Klimasystem eine wichtige Funktion. Wälder speichern große Mengen Kohlenstoff. Werden sie abgeholzt oder anders zerstört, gelangt dieser Kohlenstoff als CO2 in die Atmosphäre und trägt so zur globalen Erwärmung bei. Rund 20 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen stammen von gefällten, gerodeten und zerstörten Wäldern.

In Indonesien – etwa auf den Inseln Borneo und Sumatra – kommt es jedes Jahr zu gewaltigen Waldbränden. Meist legen Bauern und Plantagenbesitzer die Feuer, um Ackerland und neue Flächen für Ölpalmen zu erschließen. Ähnlich ist die Situation in Malaysia. In Brasilien vernichten vor allem illegale Holzfäller den Amazonas-Regenwald. Dort und anderswo bauen Firmen und Grundbesitzer zunehmend auch Zuckerrohr und Soja an, seit die Nachfrage nach Biokraftstoffen angezogen hat. Weitere Waldflächen müssen dafür weichen. In Kolumbien nimmt die Natur Schaden, weil die Drogen-Mafia im großen Stil Rauschgiftplantagen unterhält, die die Regierung mit Pestizid-Angriffen bekämpft. Und in Ecuador könnten dem artenreichen Regenwald gigantische Ölvorkommen unter seiner Erde zum Verhängnis werden.

Es gibt viele solcher Beispiele, sie alle zeigen: In vielen Regionen der Erde ist der Wald eine wichtige Einkommensquelle, sein Schutz steht oft wirtschaftlichen oder politischen Interessen entgegen. Und genau hier setzt REDD+ an. Doch wie soll das finanziert werden? Die rund 190 Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention streiten vor allem über zwei Modelle: Der Waldschutz könnte entweder in Form von CO2-Zertifikaten in den Emissionshandel integriert werden – oder es würde ein Fonds geschaffen, in den die Industrienationen einzahlen. Allerdings würde das Geld aus einem freiwilligen Fonds wohl nicht ausreichen. Schon in Kopenhagen hatten einige Staaten, darunter auch Deutschland, Zusagen gemacht, die sie bisher nicht eingehalten haben. Bislang sind nur Gelder von Norwegen, Dänemark und Spanien in den REDD+-Fonds des Entwicklungsprogramms der Vereinen Nationen (UNDP) geflossen.

Deutschland hatte beim vergangenen Weltklimagipfel 350 Millionen Euro zugesagt. Gerade einmal 40 Millionen zahlte die Regierung in einen Topf der Weltbank zum Waldschutz ein, in den REDD+-Fonds selbst noch gar nichts. Für eine Fondslösung müssten außerdem weitere Fragen geklärt sein: Wer setzt die Höhe der Kompensationszahlungen für die Entwicklungsländer fest? Wie viel müssen die Geberländer für den Walderhalt zahlen? Und welche Länder bekommen das Geld?

In einem REDD-Zertifikatmarkt dürften immerhin bis zu 30 Milliarden US-Dollar privates Kapital zusammenkommen. Allerdings birgt diese Variante ein Risiko, das die Europäer fürchten: Der Emissionshandel in Europa könnte durch REDD+ zum Erliegen kommen. Das geschätzte Volumen der REDD-Zertifikate beliefe sich auf mehr als das Zehnfache des Zertifikatsvolumens des EU-Emissionshandels. Der würde in der Folge völlig überflutet werden, wenn Europa sich nicht dagegen abschottet. Deshalb ist die EU für eine Fondslösung.