Die Behörden haben erstmals belastetes Geflügelfleisch gefunden. Das Verbraucherschutzministerium bestätigte am Samstag, dass Proben vom Fettgewebe dreier Legehennen einen Wert von 4,99 Pikogramm Dioxin pro Gramm Fleisch ergeben hätten. Der erlaubte Höchstwert liege bei 2 Pikogramm. Die Hühner stammten aus einem Betrieb in Nordrhein-Westfalen, in dem auch belastete Eier gefunden worden waren. Das Fleisch der Tiere sei nicht in den Verkehr gekommen, teilte das Ministerium mit. Die Hühner seien getötet und das Fleisch vernichtet worden. Alle Eier des Betriebes seien von den Behörden zurückgerufen und die betroffenen Eiernummern im Internet veröffentlicht worden. Bei weiteren einzelnen Kontrollen an Hähnchen, Mastputen und Schweinen seien in verschiedenen Bundesländern keine überhöhten Konzentrationen von Dioxin festgestellt worden, berichtete das Ministerium weiter.

Gegen den Futtermittelbetrieb Harles und Jentzsch wurden inzwischen neue Vorwürfe laut: Es könnte sein, dass sich der Hersteller des dioxinverseuchten Futterfetts nun auch wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verantworten muss. Vieles spreche dafür, dass das Unternehmen aus Schleswig-Holstein seine Kunden betrogen und minderwertige technische Mischfettsäure zu teurem Futterfett verarbeitet habe, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Für eine Tonne Industriefett habe das Unternehmen lediglich 500 Euro erlösen können, für eine Tonne Futterfett hätten die Kunden aber 1000 Euro bezahlen müssen. Hier liege der Verdacht der falschen Rechnungsstellung und somit der Steuerhinterziehung nahe, sagte der Sprecher.

Gegen die Geschäftsführer von Harles und Jentzsch laufen bereits Ermittlungen der Staatsanwaltschaften Itzehoe und Oldenburg wegen Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz. Untersuchungen des bundesweit ausgelieferten Futters der Firma hatten Dioxin-Werte ergeben, die zum Teil 78 mal höher waren als erlaubt. Die Behörden haben inzwischen etwa 4700 landwirtschaftliche Betriebe vorsorglich geschlossen. Die Bauern befürchten Schäden in mehrstelliger Millionenhöhe.

Südkorea hat die Einfuhr von deutschem Schweinefleisch und Geflügelprodukten gestoppt. Wie das Landwirtschaftsministerium in Seoul mitteilte, wurde die Quarantänekontrolle von Fleischprodukten aus Deutschland eingestellt. Es handelt sich nach Angaben des Ministeriums um eine vorübergehende Maßnahme. Zwar sei kein formales Importverbot verhängt worden, allerdings würden Fleischprodukte aus Deutschland solange nicht mehr eingeführt, "bis wir hören, dass das Fleisch sicher ist", sagte der Sprecher es Amts. Die deutschen Behörden seien um detaillierte Informationen gebeten worden.

Auch britische Supermärkte haben Produkte, die von deutschen Dioxin-Eiern verseucht sein könnten, aus dem Regal genommen. Die meisten der Kuchen und Törtchen, die betroffen sein könnten, seien bereits verkauft und vermutlich schon gegessen, teilte die für Ernährung zuständige Behörde Food Standards Agency mit. Vorsorglich sollten die Geschäfte aber auch die wenigen Reste aus dem Verkehr ziehen, wenngleich kein Gesundheitsrisiko bestehe. Nach Großbritannien sollen etwa 14 Tonnen der verseuchten Eier gelangt sein.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) will sich am Montag mit Futtermittelherstellern und landwirtschaftlichen Verbänden treffen, um über Konsequenzen aus dem Skandal zu beraten.