Das Umweltamt in Schweden erlaubt auch für dieses Jahr den Abschuss von Wölfen. 2011 dürfen 20 Tiere geschossen werden. In schwedischen Wäldern leben schätzungsweise 200 bis 220 der Tiere. Seit den 1980er Jahren hatte sich der Bestand etwas erholt. Im vergangenen Jahr durften Jäger 27 Wölfe erlegen.

Tierschützer kritisieren die Wolfsjagd: "Wie schon 2010 verstößt Schweden mit dieser unsinnigen Jagd gegen EU-Naturschutzrecht", sagt Robert Kless, Wolfsexperte des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW). "Danach ist der Wolf streng geschützt. Der Wolf oder sein Lebensraum dürfen nicht beeinträchtigen werden. Ein Abschuss wäre solch eine Beeinträchtigung. Ausnahmen kann es nur in gut begründeten Einzelfällen geben." Die Population der Tiere in Schweden sei noch lange nicht groß und stabil genug, um als gesichert zu gelten, betont der IFAW-Tierschützer.

Der zuständige EU-Umweltkommissar Janez Potočnik kritisiert die schwedische Regierung ebenfalls. Er sieht in der Zulassung der Jagd potenziell einen Verstoß gegen geltendes EU-Naturschutzrecht und hat sich deshalb Ende vergangenen Jahres mit einem Schreiben an den Umweltminister Schwedens gewandt.

Jägerverbänden und auch Bewohnern der betroffenen Bezirke in Mittelschweden geht die Reduzierung des Bestandes hingegen nicht weit genug. Sie fordern deutlich höhere Quoten. Die wilden Wölfe töteten zahlreiche Elche sowie Schafe und Hunde, so die Argumente der Jäger.

Die Chefin des Umweltamtes, Maria Ågren, sagte zur Freigabe von 20 Tieren: "Dieses Niveau sichert sowohl den Bestand als auch die Jagd auf Wölfe, die den sonstigen Tierbestand bedrohen." Für die am 15. Januar beginnende Jagdsaison haben sich 3000 Jäger um Lizenzen beworben. Im vergangenen Jahr waren die 27 freigegebenen Tiere binnen weniger Stunden erlegt.

Schwedens Behörden planen außerdem die Aussetzung von bis zu 20 Wölfen aus Stämmen anderer Länder. Sie sollen verhindern, dass es durch den kleinen Genpool, also die enge Verwandtschaft der wenigen verbliebenen Tiere in Schweden, auf Dauer zu Erbkrankheiten kommt, die die Population schwächen könnten.

Die Wolfsjagd ist in Schweden sehr umstritten. 2009 wurde sie nach vier Jahrzehnten erstmals wieder zugelassen. Seither kämpfen Tierschützer und die Jagd-Lobby jedes Jahr um die Abschussquote. Einige Jäger berichten, sie hätten Morddrohungen erhalten. Sie sehen im Wolf ein Problem für den Menschen. "Alle diejenigen, die so laut nach totalem Schutz für den Wolf schreien, müssen sich nie mit den konkreten Gefahren auseinandersetzen", sagt Inge Johansson von der "Volksaktion für eine
neue Raubtierpolitik" aus dem Bezirk Värmland. Die Wölfe gefährdeten unter anderem den Bestand alter Kuh- und Schafsrassen.

Auch Schwedens Jägerverband hält die diesjährige Quote für viel zu niedrig. Der zwischenzeitlich komplett verschwundene Canis lupus gilt in Schweden wieder als lästiger Konkurrent bei der Jagd auf Elche. Auch reißen Wölfe immer mal wieder Jagdhunde. Schwedens Behörden versuchen, sich zwischen den verhärteten Fronten der Befürworter und Gegner durchzuhangeln. Die Wiederzulassung der Pirsch galt als eindeutiges Zugeständnis an die starke schwedische Jägerlobby und die betroffenen Regionen.

In Deutschland erobern die Wölfe derweil alte Lebensräume zurück. Nach Informationen der Umweltstiftung WWF gibt es hierzulande 60 bis 75 Wölfe. Ein Großteil davon lebt in der sächsischen Lausitz.