Im Boden rund um das beschädigte Atomkraftwerk Fukushima-1 sind Spuren von hochgiftigem Plutonium entdeckt worden. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo . Das äußerst gefährliche Schwermetall sei an insgesamt fünf Stellen nachgewiesen worden. Dem Kraftwerksbetreiber Tepco zufolge stamme das Plutonium aus Brennstäben der Anlage, die bei dem schweren Erdbeben am 11. März und dem anschließenden Tsunami schwerbeschädigt wurde.

"Es war zu erwarten, dass nach der Kernschmelze, von der wir ausgegangen sind, auch Plutonium in die Umwelt gelangt", sagt die Physikerin Inge Schmitz-Feuerhake von der Gesellschaft für Strahlenschutz. Aus welchem Block das Material stammt, ist zunächst nicht bekannt. Die Bodenproben, in denen das Plutonium von unabhängigen Spezialisten nachgewiesen wurde, sind dem Kraftwerksbetreiber Tepco zufolge am 21. und 22. März genommen worden – und damit gut eine Woche alt.

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Die Dosierung sei aber so niedrig, dass sie für den menschlichen Körper nicht gefährlich sei, teilte das Unternehmen mit. Die gemessenen Werte entsprächen jenen von Plutonium, die auch unter normalen Bedingungen in der Umwelt festzustellen sind. In der Natur bereits vorhandene Plutonium-Isotope sind Überbleibsel der atmosphärischen Atombombentests in den 1950er und Anfang der 1960er Jahre. Bei zwei von fünf Proben gibt es einen direkten Zusammenhang mit den Reaktorunfällen. Die Aktivität der entdeckten Isotope deute daraufhin.

"Plutonium ist gefährlich, wenn es eingeatmet wird", sagt Schmitz-Feuerhake. Gelange Plutonium über die Luft in die Lunge, könne es schwere Gesundheitsschäden verursachen. "Plutonium ist ein Alphastrahler und kann Krebs und Mutationen verursachen. Im schlimmsten Fall geht das Element in Lösung und gelangt in die Blutbahn und verteilt sich im Körper." Im Boden sei Plutonium unmittelbar weniger schädlich für den Menschen. Es würde zwar über die Nahrung aufgenommen, aber auch wieder ausgeschieden. Plutonium hat eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren und zerfällt somit nur sehr langsam.

Die Regierung Japans hatte eingeräumt, dass es im Reaktor 2 des AKW zu einer Kernschmelze gekommen sei, wie Montag bekannt wurde. Man glaube allerdings, der Prozess sei mittlerweile gestoppt, betonte der Sprecher Yukio Edano. 

Es ist ein spätes Eingeständnis. Immerhin vermuteten verschiedene Experten in Deutschland, wie etwa Sebastian Pflugbeil, der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz , bereits kurz nach den ersten Explosionen, dass eine Kernschmelze in Gang sei. Erste Hinweise darauf lieferten die erhöhten Werte für leichtflüchtige Teilchen, wie Jod-131, die durch große Hitze freigesetzt werden. "Von außen lässt sich nichts erkennen, die gesamte Steuerung der Reaktoren ist zerstört", sagte Pflugbeil gegenüber ZEIT ONLINE . Doch eine Kernschmelze in den Blöcken 1 bis 4 sei "so sicher wie das Amen in der Kirche". 

Wann und in welchem Ausmaß die Kernschmelzen stattgefunden haben, ist weiterhin unklar. Tepco selbst hatte in den ersten Tagen ebenfalls schon von einer möglichen "partiellen Kernschmelze" gesprochen, war dann kurz darauf aber wieder zurückgerudert.

Auch am Wochenende verstrickte sich der Stromriese in widersprüchliche Meldungen. Zunächst hieß es seitens des Betreibers, die Konzentration an radioaktiven Jodpartikeln im Wasser von Reaktor 2 sei zehn Millionen Mal so hoch wie üblich. Dann zog Tepco seine Aussage zurück. Ein Rechenfehler oder gar nur ein Formatierungsfehler in der Tabelle? Eine Erklärung blieb aus. In der korrigierten Fassung liegt der Wert für das leichtflüchtige Jod-134 "unter den Grenzwerten". Lägen die Werte für dieses Jodisotop tatsächlich darüber, ließe sich daraus schließen, dass gegenwärtig eine Kettenreaktion in den Brennelementen abläuft. Jod-134 hat eine extrem kurze Halbwertszeit von gerade mal 53 Minuten und zerfällt relativ rasch.