Nach dem Tsunami und dem schwersten Erdbeben in der Geschichte Japans, herrscht im Land weiter der Ausnahmezustand. Mehr als 1800 Menschen sollen ihr Leben verloren haben. Diese Zahl ergibt sich der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zufolge aus der bisher von der Polizei bestätigten Zahl von 687 Toten und der Zahl der Vermissten. Allerdings wird erwartet, dass die Zahl der Todesopfer steigen wird - allein in der Ortschaft Minamisanriku in der schwer betroffenen Provinz Miyagi gab es von 9500 Menschen und damit von jedem zweiten Bewohner kein Lebenszeichen.

Seit dem Erdstoß der Stärke 8,9 vom Freitag seien 3000 Menschen gerettet worden, sagte Ministerpräsident Naoto Kan am Samstag. 300.000 Menschen mussten nach Polizeiangaben ihre Häuser verlassen. Darunter sind auch 80. 000 Anwohner des Atomkraftwerks Fukushima, wo es nach dem Erdbeben zu einem ernsten Störfall und am Samstag zu einer Explosion kam.

Während am beschädigten Atomkraftwerk eine Kernschmelze droht, dauern die Rettungsarbeiten im Nordosten Japans an. Die japanische Regierung hat mehr als 50.000 Soldaten, 300 Militärflugzeuge und 40 Schiffe in die vom Erdbeben betroffenen Gebiete geschickt. Auch die USA, Südkorea, Australien, Neuseeland, Singapur und Deutschland haben bereits Katastrophenhelfer entsandt.

Die Situation ist in vielen Teilen Japans chaotisch, starke Nachbeben erschüttern das Land immer wieder. Es gibt vielerorts keinen Strom. Die Betreibergesellschaft Tokyo Electric Power (Tepco) rief Unternehmen und Bewohner auf, Strom zu sparen. Das Telefonnetz ist in vielen Regionen zusammengebrochen, auch an Trinkwasser fehlt es im Katastrophengebiet.

Durch die vom Beben ausgelöste gewaltige Flutwelle wurden bis weit ins Land hinein Schiffe, Züge, Häuser, Autos, Straßen und Menschen mitgerissen. Mindestens eine Stadt wurde vollkommen zerstört. Ganze Dörfer wurden weggespült. Raffinerien brannten, am Samstag stiegen immer noch dicke Rauchsäulen in den Himmel.

In der Hafenstadt Senai in der Miyagi-Präfektur barg die Polizei bereits 200 bis 300 Tote. Die Stadt Rikuzentakada in der Inwate-Präfektur ist gänzlich überflutet, nur noch wenige Gebäude stehen. Die Japanische Eisenbahngesellschaft meldet zudem, dass vier Züge vermisst werden. Auch ein Schiff mit 100 Passagieren an Bord konnte noch nicht geborgen werden. Mehrere Feuer wurden in Kesennuma gemeldet. 1.800 Häuser sollen in Minamisoma zerstört worden sein.