Der Chef der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA), Yukiya Amano, hat als Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Japan rasche Stresstests für die weltweit 440 Kernkraftwerke gefordert. Die Schutzvorkehrungen gegen extreme Naturereignisse wie Erdbeben, Tsunamis und Hochwasser sollten in den nächsten eineinhalb Jahren auf nationaler Ebene überprüft werden, schlug Amano zum Auftakt eines Ministertreffens der IAEA vor.

Den Stresstests könnten stichprobenartige Untersuchungen seiner Behörde in Form von Inspektionen folgen. "Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Sicherheit von Atomkraftwerken hat schwer gelitten", begründete Amano seinen Vorstoß vor Delegierten aus den 151 Mitgliedsländern. Sie beraten bis Freitag über eine Verbesserung der atomaren Sicherheit.

Unter den Mitgliedern ist umstritten, wie scharf die Sicherheitsmaßnahmen ausfallen sollen. Russland möchte die Kriterien der IAEA für die Atomsicherheit rechtsverbindlich machen. Bisher haben sie nur empfehlenden Charakter. Das Land stößt mit diesem Ziel aber auf Widerstand. Der Chef der russischen Atomenergiebehörde, Sergej Kirijenko, begrüßte deshalb Amanos Vorstoß.

Deutschland hatte als Konsequenz aus der Reaktorkatastrophe von Fukushima den Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 beschlossen. In Italien erneuerte die Bevölkerung in einem Referendum ihr Nein zur Kernkraft. Die Schweiz kündigte an, bis 2034 alle AKW abzuschalten.

Ungeachtet dessen wollen allerdings viele andere Länder nicht auf Atomenergie verzichten. Auch deshalb sei es zwingend erforderlich, die schärfsten Sicherheitsvorkehrungen weltweit verbindlich zu machen, sagte Amano. Der japanische Handelsminister Banri Kaieda verteidigte die Kernenergie. Bei einem Verzicht trüge die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt schwere Schäden davon, sagte er.