Japans größtes Tee-Anbaugebiet in der Präfektur Shizuoka, ist möglicherweise teilweise radioaktiv kontaminiert. Die lokalen Behörden gaben bekannt, dass in  getrockneten Teeblättern aus Warashina 679 Becquerel an radioaktivem Cäsium pro Kilogramm festgestellt wurden. Das Gebiet liegt 370 Kilometer südwestlich von der Atomruine Fukushima-1. Der offiziell erlaubte Grenzwert für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln liegt bei 500 Becquerel. Grüner Tee aus Japan wird in alle Welt exportiert.

Die Regierung hatte zuvor bereits Auslieferungen von grünem Tee aus einigen Anbaugebieten in den näher an Fukushima gelegenen Provinzen Ibaraki und Chiba sowie Kanagawa und Tochigi gestoppt. Anlass waren auch hier Messwerte in Proben, die Werte überschritten mehr als 500 Becquerel. Japanische Erzeuger haben im vergangenen Jahr 83.000 Tonnen getrocknete Teeblätter produziert. Davon entfielen 40 Prozent auf nun auch betroffenen Anbaugebiete in Shizuoka.

Ein Megabeben der Stärke 9, ein Tsunami und der atomare GAU. Wie bewältigt Japan die Katastrophe? Ein Schwerpunkt zum Thema © Kazuhiro Nogi/AFP/Getty Images

Auch in Milch, Gemüse und Fisch entdecken japanische Behörden derzeit radioaktive Partikel. Dabei wird auf radioaktive Cäsium-Isotope besonders geschaut. Sie haben eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren. Damit sind sie für die Landwirtschaft in Japan der größte Risikofaktor nach dem Atomunfall in Fukushima. Seit Beginn der Katastrophe untersuchen die Behörden Lebensmittel. In der Präfektur Fukushima, in der die beschädigten Kernreaktoren stehen, wurden die Werte bei Brokkoli überschritten, in der Nachbarregion Ibaraki bei Rohmilch. In der Vergangenheit wies auch Spinat zum Teil doppelt soviel Becquerel wie zulässig auf.

Der japanische Fernsehsender NHK berichtete zudem über radioaktives Cäsium in Fischen aus dem Meer vor Fukushima. Bei zwei Proben seien Werte fünf- bis sechsmal höher gewesen als erlaubt. Seit Anfang Mai haben die Behörden und das Wissenschaftsministerium zudem die Messprogramme für Fisch und Meerestiere deutlich ausgeweitet. So werden regelmäßig Proben genommen, in Abständen von einigen Hundert Kilometern von der Küste entlang des Japanischen Ostens. Auch die Binnengewässer werden kontrolliert.

Den Sommer über bis zum Herbst sollen zusätzlich auch Wanderfischarten untersucht werden, die über das Jahr entlang der gesamten Ostküste vorkommen. Dabei handelt es sich um Arten wie Lachs, Sardinen und Makrelen.

An der Atomanlage selbst entweicht noch immer Radioaktivität. Allerdings nahmen die Werte im weiteren Umkreis um Fukushima-1 in den vergangenen Wochen deutlich ab. Dennoch ist auch weiterhin damit zu rechnen, dass insbesondere landwirtschaftliche Produkte die Grenzwerte überschreiten werden. Dies hängt vor allem mit radioaktivem Fallout zusammen, der sich kurz nach den Explosionen an der Anlage in Japan verteilt hat. Derzeit belasten austretende radioaktive Partikel überwiegend die unmittelbare Umgebung der Reaktorruinen.