Die Behörden von sechs US-Bundesstaaten haben die Einwohner tiefer gelegener Regionen aufgefordert, sich in höher gelegene Gebiete zurückzuziehen. Der heraufziehende Hurrikan Irene hat derzeit die Kategorie 3 und bewegt sich auf die Ostküste der USA zu. Im seinem Wirbel herrscht eine Windgeschwindigkeit von bis zu 185 Stundenkilometern.

Durch den Sturm starben bislang mindestens fünf Menschen. In Puerto Rico waren am Montag infolge von Sturmschäden etwa 800.000 Menschen ohne Stromversorgung. Jetzt bedroht der Wirbelsturm potenziell mehr als 50 Millionen Menschen.

Bisher riefen die Staaten North Carolina, Maryland, Virginia, Delaware, New Jersey und New York den Notstand aus. In New York diene das der Vorbereitung "auf alle Situationen", die der Wirbelsturm auslösen könnte, sagte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo. Der Ausnahmezustand ermöglicht eine vereinfachte Zusammenarbeit der Behörden und bundesstaatliche Hilfen.

Die Menschen vor Ort bereiten sich derweil auf den Sturm vor. Sie decken sich mit Nahrung, Wasser und Benzin ein und versuchen, ihre Häuser, Autos und Boote sicher zu machen. "Ich habe meinen Tank mit Benzin aufgefüllt, falls ich eilig weg muss", sagte Patricia Stapleton aus Newport, North Carolina. "Außerdem habe ich alles aus dem Garten genommen, alles was in Fenster fliegen kann."

Experten rechnen damit, dass der Hurrikan noch an Stärke zunehmen wird, bevor er am Samstag die US-Ostküste erreicht. Touristen im beliebten Strandresort Outer Banks wurden in Sicherheit gebracht, die Behörden ordneten zudem die Evakuierung der vorgelagerten Urlaubsinseln Ocracoke und Hatteras an.

Am Sonntag werde Irene dann am östlichen Ende von Long Island in New York erwartet, sagte der Leiter des Nationalen Hurrikan Zentrums in Miami, Bill Read. Auf dem Weg nach Long Island könnte er möglicherweise Windgeschwindigkeiten von bis zu 217 Stundenkilometer erreichen und damit zum Sturm der zweithöchsten Kategorie 4 hochgestuft werden.

US-Marine bringt Schiffe in Sicherheit

Die nordöstliche Küste der USA hat bislang wenig Erfahrung mit Wirbelstürmen. Der letzte Hurrikan, der in der Region New York wütete, war Gloria – im Jahr 1985 . New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg rief die Einwohner dazu auf, sich und ihre Habe abzusichern. "Wenn Sie ein Auto haben und in einer tieferen Gegend leben, parken Sie es auf einem Hügel. Bringen Sie Ihre Sachen nach oben", sagte Bloomberg. Der Bürgermeister ordnete Evakuierungen von Krankenhäusern und anderen Einrichtungen an.

Die 8,4 Millionen Einwohner in New York waren wie viele andere Menschen an der Ostküste gerade erst von einem Erdbeben betroffen, das glücklicherweise keine Tote forderte. In Hinblick auf den herannahenden Hurrikan warnte Bürgermeister Bloomberg bereits vor Überschwemmungen. Wegen des Sturms muss womöglich schon am Wochenende das öffentliche Transportsystem geschlossen werden. Am Montag könnte der Verkehr in der Stadt noch immer still stehen, was Tausende Konzerne in Manhattan und die Börse an der Wall Street treffen würde.

Die US-Marine wies vorsorglich sämtliche Schiffe im Flottenstützpunkt Hampton Roads in Virginia an, den Hafen zu verlassen. Wie der Kommandeur der 2. Flotte, Vize-Admiral Daniel Holloway, erklärte, können die Schiffe einen solchen Sturm besser auf offener See überstehen. Auf Irenes Weg könnte auch die Insel Martha's Vineyard vor der Küste von Massachusetts liegen, auf der US-Präsident Barack Obama und seine Familie derzeit ihren Urlaub verbringen.

Airlines kündigen Flugstopp an

Nach einem Bericht des Nachrichtensenders CNN sagte die Gesellschaft American Airlines am Donnerstag mehr als 120 Flüge ab. Es werde damit gerechnet, dass Fluggesellschaften auch am Freitag Verbindungen streichen könnten.

Die Lufthansa sah bis zum Mittag keinen Anlass, ihren Flugplan zu ändern. Derzeit seien weder Flüge gestrichen noch verlegt worden, sagte ein Sprecher. "Wir beobachten, wie sich die Situation entwickelt." Sollten wegen des Hurrikans doch Flüge gestrichen oder verlegt werden, informiere Lufthansa darüber kurzfristig auch im Internet.

Eine interaktive Karte zur Bewegung des Sturmes befindet sich hier.