Nach stundenlangem Wüten hat der Tropensturm Irene New York hinter sich gelassen. Eine Entwarnung gaben die US-Behörden aber noch nicht. Das Unwettersystem berge weiterhin Gefahren. "Wir sind noch nicht über den Berg", sagte Heimatschutzministerin Janet Napolitano. Der Sturm bleibe "groß und potenziell gefährlich", warnte sie. Irene zog am Sonntag weiter in die Neuengland-Staaten im äußersten Nordosten der USA.

Irene war von Süden kommend in der Nacht über New York hereingebrochen. Begleitet wurde der Sturm von Gewitter und Regen. Rund 370.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, der öffentliche Nahverkehr lag komplett lahm, alle Flughäfen der Stadt blieben geschlossen. Hunderttausende Menschen waren zeitweise ohne Strom. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg forderte die Bürger auf, in ihren Häusern zu bleiben: "Es ist dunkel und windig, es regnet und keine U-Bahn und kein Bus fährt. Bleiben Sie drinnen, draußen fliegt zu viel herum."

Einige Teile New Yorks wurden überschwemmt. An den Ost- und Westrändern New Yorks reichte das Wasser von East und Hudson River zeitweise bis an die Stadtautobahnen, die allerdings gesperrt waren. Im Central Park stand das Wasser zum Teil kniehoch, in anderen Gebieten der Stadt sogar bis zur Hüfte.

Weniger Schäden als erwartet

Als das Zentrum des Sturms über New York war, schwächte sich der Hurrikan zu einem Tropensturm ab und wanderte zudem schneller weiter. Schon am späten Vormittag war für die meisten New Yorker alles vorbei. Die Rettungskräfte gaben Entwarnung. "Der Himmel klart auf", sagte der Chef der Rettungskräfte, Joseph Bruno. Zwar habe es durchaus Schäden gegeben, "aber alles in allem denke ich, dass wir es überstanden haben."

Die New Yorker trauten sich wieder aus ihren Häusern und begutachteten die Schäden. Insgesamt hielten sich diese auf den ersten Blick in Grenzen. In Manhattan hatte Irene Baustellen-Absperrungen umgeworfen und Bäume entlaubt. Die meisten Gebäude schienen intakt, die Autos standen an ihrem gewohnten Platz. Auch in Downtown Manhattan waren vereinzelt Äste heruntergekommen, viele Nebenstraßen waren mit Blättern übersät, die großen Verkehrsadern blieben aber zum größten Teil frei. Nachbarn halfen sich gegenseitig, Straßen und Gärten wieder frei zu räumen.

Die Baustelle des World Trade Center schien auf den ersten Blick unbeschädigt, auch wenn hier an der Südspitze Manhattans am Vormittag immer noch ein kräftiger Wind wehte. An der Promenade des Hudson River flanierten schon wieder die ersten New Yorker.

Mindestens 15 Tote entlang der Ostküste

Irene war am Samstag in Cape Lookout in North Carolina mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern erstmals auf Festland getroffen. Danach zog er sich vorübergehend aufs Meer zurück. Am Sonntagmorgen traf Irene mit Spitzen von bis zu 130 Stundenkilometern in Atlantic City im Bundesstaat New Jersey ein zweites Mal auf Land und zog dann Richtung Norden weiter.

Auf dem Weg entlang der US-Küste tötete Sturm Irene mindestens 15 Menschen. Alleine im Bundesstaat North Carolina hätten sechs Menschen ihr Leben verloren, im benachbarten Virginia vier, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf Einsatzkräfte. In den Staaten Connecticut, Maryland und Florida habe es je einen Toten gegeben. Nach Angaben von New Jerseys Gouverneur Chris Christie kamen in seinem Staat zudem zwei Menschen ums Leben.

In den vom Sturm besonders betroffenen Staaten North Carolina und Virginia begannen die Behörden mit der Begutachtung der Schäden. Eine Summe wollte der Chef der Katastrophenschutzbehörde FEMA, Craig Fugate, aber nicht nennen. In North Carolina sei es vor allem zu Überflutungen gekommen, zudem seien viele Bäume umgestürzt. An manchen Orten an der Atlantikküste, wie in dem Touristenort Ocean City im US-Staat Maryland, sollen in Kürze wieder die Geschäfte öffnen.

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