An einer Plattform des Konzerns Shell in der zentralen Nordsee ist nach einem Leck eine größere Menge Öl ausgeflossen. Auf dem Wasser treibe eine 31 Kilometer lange Ölschicht mit einer maximalen Breite von 4,3 Kilometern, teilte Shell am Sonntag mit. "Wir gehen davon aus, dass das Öl auf natürliche Weise durch die Wellenaktivitäten aufgelöst wird und keinen Strand erreichen wird", heißt es in einer Erklärung des größten Ölkonzerns Europas.

Zum Volumen des insgesamt ausgeströmten Öls machte Shell keine Angaben. Das am Mittwoch an der Plattform Gannet Alpha rund 180 Kilometer östlich von Abderdeen entdeckte Leck sei aber relativ unbedeutend. Es sei inzwischen "unter Kontrolle". Die schottische Regionalregierung schätzte die Menge des ausgelaufenen Öls auf etwa 750 Barrel oder 100 Tonnen. Ein Barrel sind 159 Liter. Auch die schottische Regierung schätzte den durch das Öl verursachten Schaden als überschaubar ein.

Vereinte Nationen kritisieren Shell

Öl im Wasser ist auch dann eine Gefahr für viele Meerestiere und Vögel, wenn es nicht an Land gespült wird. Shell hatte am Samstag Medienberichte über das Leck bestätigt. Eigenen Angaben zufolge schickte der Konzern ein Flugzeug und ein Spezialschiff mit Chemikalien zum Binden von Öl zur Plattform. Ein ferngesteuerter Unterwasser-Roboter sei eingesetzt worden, um das Problem zu erkunden und das Leck zu reparieren.

Das britische Energie- und Klimaministerium teilte mit, der Vorfall werde untersucht.

Shell war vor etwa einer Woche durch die Veröffentlichung eines Berichts des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zur Ölförderung in Nigeria in die Kritik geraten. Nach Angaben der UNEP sind in der ölreichen Region Ogoniland im Nigerdelta aufgrund massiver Verschmutzungen die möglicherweise "umfangreichsten und längsten Öl-Säuberungsarbeiten aller Zeiten" nötig. Es werde 25 bis 30 Jahre dauern bis die durch die Erdölförderung entstandenen Schäden wieder behoben sind. Shell werden in dem Bericht schwere Versäumnisse vorgeworfen.