Die Entdeckung des Sterns SDSSJ102915+172927 im Sternbild Löwe zeigte Überraschendes, Verblüffendes, ja Irritierendes: Die lichtschwache, 4.000 Lichtjahre entfernte Sonne – benannt nach der Durchmusterungskampagne Sloan Digital Sky Survey und ihren himmlischen Koordinaten – besteht nahezu vollständig aus Wasserstoff und Helium und hat nur winzige Spuren anderer Elemente.

Mit dieser ungewöhnlichen chemischen Zusammensetzung passt der Stern, der aus der Frühzeit des Universums stammt, überhaupt nicht zu den Fakten und Phänomenen, die die gängige Theorie der Sternentstehung prägen: "Sie sagt voraus, dass ein Stern, der eine geringere Masse und eine sehr geringe Konzentration an Metall hat, nicht existieren kann, weil die Staubwolken, aus denen er sich geformt hat, sich niemals verdichtet hätten", betont Elisabetta Caffau vom Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg (ZAH). Diese Entdeckung ist das Ergebnis von Forschungen, bei denen das Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) und die beiden Spektrografen X-Shooter und UVES eingesetzt wurden.

Sterne – und damit auch unsere Sonne – sind selbstleuchtende heiße Gaskugeln von großer Masse, die durch Kernfusion im zentralen Innern Energie erzeugen. Das geschieht bei der Sonne seit rund fünf Milliarden Jahren in verschwenderischer Fülle. Dass sie überhaupt Energie erzeugt, ist der ungeheuren Menge ihres Brennmaterials  zu verdanken. Das Brennmaterial ist Wasserstoff.

Unsere Sonne besteht nach Massenbruchteilen aus etwa 73 Prozent Wasserstoff, 25 Prozent Helium, und zwei Prozent schweren Elementen an der Oberfläche. Durch das Verschmelzen von rund 600 Millionen Tonnen an Wasserstoffkernen (Protonen) pro Sekunde zu Heliumkernen wird ständig Energie erzeugt. Diese wird durch verschiedene Prozesse nach außen abgegegeben und erreicht uns in Form verschiedener Strahlungsarten, wie zum Beispiel Licht und Wärme. Nicht anders sieht es bei den übrigen Sternen aus.

Wenn also alle Sterne als Grundbestandteile die beiden leichtesten Elemente Wasserstoff und Helium besitzen, müssen diese von Anfang an im Universum vorhanden gewesen sein. "Wasserstoff, Helium und Spuren von Lithium sind bereits nach wenigen Minuten im Feuerball des Urknalls gebildet worden. Die schwereren Elemente wurden später fast ausschließlich in den ersten Sternen und nachfolgenden Sterngenerationen erbrütet. Durch Sternwinde sowie Supernovaexplosionen wurden sie in der Umgebung verteilt. Sie wurden dann wieder in neuen Sternen 'verbaut' oder dienten unter Umständen auch als Ausgangsmaterial für die Bildung von Planeten", erklärt Hans-Günter Ludwig, Astronom am ZAH.