Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat die Erwartungen für die UN-Klimakonferenz im südafrikanischen Durban gedämpft. "Durban wird weniger bringen, als notwendig ist", sagte er bei einer Konferenz des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin. Es gebe aber keine Alternative zum UN-Prozess.

Zum Fortschritt der Klimaverhandlungen sagte Röttgen: "An dem Tempo muss man arbeiten." Gerade die USA seien bei den Verhandlungen über ein globales Klimaschutzabkommen kein gestaltender Akteur, "sondern ein zögernder Verhinderer".

Röttgen forderte die 27 EU-Staaten auf, beim Klimaschutz gemeinsam zu handeln und so andere Staaten mitzuziehen. Es sei erforderlich, die EU-Ziele von 20 Prozent weniger Emissionen bis 2020 nach oben zu korrigieren.

2012 läuft das Kyoto-Protokoll aus, es ist das bisher einzige bindende internationale Klimaschutzabkommen. Bei der Konferenz in Durban Anfang Dezember streben viele Staaten ein Abkommen an. Ziel ist es, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Allerdings müssten dafür auch Staaten wie die USA eingebunden werden, die besonders viele klimaschädliche Emissionen verursachen.

Die EU verursacht knapp 15 Prozent der Treibhausgasausstöße. Das ist relativ gesehen weniger als früher, weil in aufstrebenden Ländern wie China die Emissionen drastisch steigen. "Wir Europäer allein können die Welt nicht retten, sondern wir brauchen Verbündete", sagte Röttgen. Zusammen mit Staaten, die zu höheren Auflagen bereit seien, könne man dann einen Prozess starten. Dieser könnte dann in ein neues Klimaabkommen münden.

BDI fordert ambitionierte Klimaziele

BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber unterstützte Röttgens Einsatz für ambitionierte Ziele: "Die deutsche Industrie fordert ein rechtlich verbindliches internationales Abkommen auf der bevorstehenden Weltklimakonferenz in Durban." Die Schuldenkrise dürfe nicht dazu führen, dass Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen nicht mehr finanziert werden können, sagte Kerber.

Die Lage vor Durban sei ernüchternd, das Ganze dürfe nicht in einen Konferenzzirkus ausarten. "Ein Scheitern des Klimaprozesses ist so wenig eine Strategie wie ein Zusammenbruch des Euro", sagte Kerber. Er forderte für alle Industrieländer vergleichbare verbindliche Minderungsziele. Wenn nur das Kyoto-Protokoll verlängert würde, könnten damit nur noch 16 Prozent der globalen Treibhausgas-Ausstöße erfasst werden.