Etwa 120 Kilometer vor der Küste Brasiliens sickert nach Angaben der Nationalen Erdölagentur (ANP) Erdöl aus einem 400 Meter langen Riss ins Freie. Nach Angaben der US-Betreiberfirma Chevron seien Fehlberechnungen die Ursache für das Leck gewesen. "Der Druck der Ölquelle ist unterschätzt worden", sagte der Chef des brasilianischen Ablegers des Ölkonzerns, George Buck. Die Zeitung Folha de São Paulo berichtete, auf Grundlage der Berechnung zur Abdichtung des Bohrlochs sei ein Material verwendet worden, dass nicht ausreichend schwer war.

Inzwischen gibt es unterschiedliche Aussagen über die Situation. Einer Pressemitteilung der ANP zufolge sickert weiterhin Öl ins Meer, dies werde durch die Analyse von Filmaufnahmen bestätigt. Chevron sieht die Lage dagegen unter Kontrolle: Neues Öl trete nicht aus, teilte Buck mit.

Der Konzern hatte am Samstag die "volle Verantwortung" für den Vorfall übernommen. Man arbeite mit allen Kräften daran, den Ölteppich in den Griff zu bekommen, hieß es. Am Donnerstag sei eine erste Phase der Zementierung erfolgreich abgeschlossen worden. Die Ausdehnung des Ölfilms konnte verringert werden, sagte Buck.

Der Ölteppich hat laut ANP eine Größe von 163 Quadratkilometern. Über die Menge des ausgetretenen Öls gibt es indes unterschiedliche Angaben. Chevron sprach am Wochenende von einem verbleibenden Ölfilm von "18 Barrel (2.800 Liter) oder weniger". Nach Schätzungen Chevrons und der Erdölagentur waren etwa 300 Barrel pro Tag ausgetreten. Umweltschützer befürchten einen weitaus größeren Schaden. Der US-Umweltorganisation Skytruth zufolge könnten mehr als 3.700 Barrel pro Tag ausgetreten sein. Die brasilianische Marine plante für Montag und Dienstag Flüge über das Ölfeld. Damit sollte geklärt werden, ob sich der Teppich weiter ausdehnt.

Chevron wies Anschuldigungen der Behörden zurück, mit illegalen Methoden gegen den Ölteppich vorzugehen. Umweltminister Carlos Minc hatte dagegen behauptet, der Konzern habe verbotenerweise Sand auf den Ölfilm gekippt, damit sich das Öl schneller verteile. Die brasilianische Bundespolizei hat wegen des Lecks und der angeblichen Verwendung von Sand Ermittlungen gegen Chevron eingeleitet.

Dem Konzern drohen Strafen in Millionenhöhe. Minc kündigte in einem Radio-Interview an, neben der Maximalstrafe von 50 Millionen Real (20,5 Millionen Euro) auch Reparationszahlungen für entstandene Schäden an Flora und Fauna zu verlangen. Für die Verhängung der Strafe ist das brasilianische Umweltinstitut Ibama verantwortlich.

Das Ölleck war erstmals am 7. November nahe des Ölfeldes Frade im Campos-Becken im Atlantik rund 370 Kilometer nordwestlich Rio de Janeiros bemerkt worden. Frade produziert täglich 79.000 Barrel Öl. Chevron ist mit 51,7 Prozent daran beteiligt, die staatliche Petrobras hält 30 Prozent und ein japanisches Unternehmen 18,3 Prozent der Anteile. Vor Brasiliens Küste wurden in den vergangenen Jahren immer wieder große Ölvorkommen entdeckt, die aber in mehreren Kilometern Tiefe liegen.