Manches gibt es eben doch nicht nur in der Fantasie: Forscher haben in Argentinien Knochen eines ausgestorbenen Säugetiers entdeckt, das – rekonstruiert man sein Aussehen – aussieht wie ein Eichhörnchen mit Säbelzähnen, ähnlich dem Geschöpf Scrat aus dem Film Ice Age.

Abgesehen von seinem eigenwilligen Aussehen ist das Fossil von Cronopio dentiacutus für die Wissenschaftler besonders wichtig. Denn es füllt eine Forschungslücke von 60 Millionen Jahren, die in der Entwicklungsgeschichte der Säugetiere in Südamerika klaffte. Das Säbelzahn-Eichhörnchen lebte vor etwa 100 Millionen Jahren – in einer Zeit, die in der Paläontologie vor allem für große Saurier bekannt ist.

Die Forscher um Guillermo Rougier von der Universität Louisville, Kentucky, hatten am Flussbett La Buitrera in der Provinz Río Negro am nördlichen Rand von Patagonien gut erhaltene Schädel und Kiefer gefunden. Das etwa mausgroße Tier aus der späten Kreidezeit hatte eine sehr lange Schnauze, sehr lange Eckzähne und große Augen, berichten die Entdecker im Magazin Nature.

Anhand der vergleichsweise spezifischen Entwicklung des kleinen Säugers sowie der Datierung des Fundes schlussfolgern die Wissenschaftler, dass Cronopio dentiacutus in der Region einheimisch war.

Das Tier gehört zu den sogenannten Dryolestoiden, einer bereits ausgestorbenen Tiergruppe, von der die heutigen Beutelsäuger (Metatheria) und die Höheren Säugetiere (Eutheria) abstammen. Bekannt ist diese Gruppe hauptsächlich durch Funde in Nordamerika und Europa, obwohl sie auch in Südamerika zahlreich vertreten gewesen sind. Da Funde fehlen, die vor die Kreidezeit datiert werden, ist es schwierig, den Ursprung und die frühe Verbreitung dieser Tiere zu untersuchen.

"Man kann nicht erwarten, dass die Erkenntnisse von Rougier und seinen Kollegen allein das Geheimnis der Ausbreitung der Säugetiere in Südamerika lösen", schreibt Christian de Muizon vom Institut für Erdgeschichte des französischen Museums für Naturgeschichte in einem Begleitartikel. "Aber solche Entdeckungen von bemerkenswert vollständigen Fossilien aus dem Mesozon verhelfen Forschern zu großen Fortschritten in der Paläontologie von Säugetieren. Ein solcher Schädel aus einer entscheidenden Region kann viel relevanter für unser Verständnis der Säugetier-Evolution sein, als Hunderte einzelne Zähne – auch wenn diese die häufigsten und meist einzigen Überreste sind, mit denen Paläontologen arbeiten müssen."