Der Zebrafisch hat eine steile Karriere hingelegt: Im Jahr 1822 wurde er zum ersten Mal überhaupt beschrieben, da erkoren ihn Fischfans recht bald zu einem dekorativen Pflichthingucker für jedes Aquarium, während Wissenschaftler mit wachsender Begeisterung Eigenschaften an dem Winzling entdeckten.

Heute ist der höchstens fünf Zentimeter lange Zebrabärbling – so sein korrekter Name – ein beliebter Modellorganismus in der Genetik und der Entwicklungsbiologie . Zum einen ist er ein unkomplizierter und pflegeleichter Zeitgenosse. Er braucht nicht viel Platz, reproduziert sich in Massen (bis zu 300 Eiern wöchentlich pro Weibchen) und zügig (nach zwölf bis 16 Wochen geschlechtsreif). Ein perfekt preisgünstiges Labortier also.

Zum anderen lassen sich viele der Erkenntnisse, die beim Zebrafisch gewonnen werden, auf den Menschen übertragen. Zum Beispiel können Transplantationsexperimente an den Embryonen des Zebrafischs vorgenommen werden, die nicht nur groß genug dafür sind, sondern auch den Vorteil der Durchsichtigkeit bieten: Bis ins frühe Larvenstadium hinein sind alle Zellen gut erkennbar . Am Modell Zebrafisch haben deutsche und amerikanische Forscher im vergangenen Jahr zum Beispiel nachgewiesen, dass sogenannte Schrittmacherzellen in unserem Herzen den Ton angeben – sie bestimmen, ob und in welchem Rhythmus gepumpt wird .

Eine weitere Eigenheit versetzt auch Laien ins Staunen: Der Zebrafisch kann wie der Salamander und auch einige andere Fische Gliedmaßen und Nervenzellen ersetzen. Abgetrennte Flossen wachsen nach, selbst das Herz kann bis zu 20 Prozent des eigenen Muskelgewebes reproduzieren . Kürzlich erst haben Dresdner Forscher herausgefunden, wie sich selbst schwerste Schäden im Fischgehirn wieder reparieren lassen: Der Zebrafisch bildet dafür neue Nervenzellen aus neuronalen Stammzellen.

Wie genau diese Mechanismen funktionieren, finden die Forscher nach und nach heraus. Sie hoffen, daraus therapeutische Ansätze für die Neubildung von menschlichen Geweben und Körperteilen gewinnen zu können. Im November haben Gerrit Begemann und Nicola Blum von der Universität Konstanz im Fachmagazin Development die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die zeigen, dass Retinsäure entscheidend verantwortlich ist für die phänomenalen Regenerationsfähigkeiten des Zebrafisches.

Wunderliche Eigenschaften hin, praktische Vergleichbarkeit her – der kleine Fisch kann noch mehr: schön aussehen nämlich. Zwar muss man aufgrund der geringen Größe schon genau hingucken, aber dafür wird man mit einem prächtigen Farbenspiel belohnt. Dunkelblau, fast schwarz schimmern die Längsstreifen auf dem silberweißen Fischkörper. Und bei richtigem Lichteinfall, da beginnt der Zebrabärbling sogar ein wenig zu glitzern.