ZEIT ONLINE: Wie bewerten Sie die Thesen von Herrn Vahrenholt?

Latif: Er argumentiert viel mit der Sonne. Die kann aber die Klimaänderung während der letzten Jahrzehnte nicht erklären.


Sieben Thesen aus dem Buch von Fritz Vahrenholt lassen sich sofort widerlegen. Klicken Sie auf das Bild, um den Faktencheck zu lesen. © Philippe Huguen/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Neben Herrn Vahrenholt gibt es zahlreiche weitere Skeptiker, die sich dem Thema Klimawandel jedoch auf unterschiedlichste Weise nähern. Der frühere Thatcher-Berater Lord Christopher Monckton etwa bereist angelsächsische Länder und erzählt von der größer gewordenen Eisbärpopulation. Der Däne Henrik Svensmark erforscht den Klimawandel in einer Nebelkammer. Sind das sinnvolle Beiträge zur Klimadebatte? Oder ziehen diese Skeptiker eher einen eigenen, finanziellen Nutzen aus ihren Thesen?

Latif: Nicht jeder in einem Labor oder einer Nebelkammer nachgestellte Prozess spielt in der Atmosphäre tatsächlich eine Rolle. Das ist etwas, was selbst Wissenschaftler gelegentlich nicht verstehen. Lord Monckton verbreitet Irrelevantes, das nur vermeintlich zum Thema Erderwärmung passt. Zur Geschäftemacherei wird ihr Skeptizismus dann, wenn diese Leute eine Plattform in der Berichterstattung bekommen.

ZEIT ONLINE: Wird das Infragestellen der Erkenntnisse des Weltklimarates IPCC mehrheitsfähig – beispielsweise in Ländern wie den USA , Großbritannien oder Australien ?

Latif: Wenn unbedarfte Bürger pausenlos mit den Meinungen von Monckton und anderen bombardiert werden, wissen sie am Ende des Tages nicht mehr, was sie glauben sollen. Sie können die Glaubwürdigkeit dieser Quellen nicht auf einfache Art und Weise hinterfragen.

ZEIT ONLINE: Renommierten Klimaforschern wird oft die These untergejubelt, allein der Mensch habe die Erderwärmung zu verantworten.

Latif: Zu unrecht, denn auch das stimmt einfach nicht. Nicht 100 Prozent der Erwärmung gehen auf das Konto des Menschen, sondern mindestens die Hälfte.  Das können 51 oder 81 Prozent sein. Die Wissenschaft ist da sehr vorsichtig. Der Rest ist natürlichen Ursprungs. Ein Teil (bis in die 1950er- und 1960er-Jahre) geht auf die Sonne zurück. In den Jahrzehnten danach war ein Teil bedingt durch Änderungen der Meeresströmungen. Wissenschaftler sprechen von internen und externen Einflüssen.

Der Weltklimarat liegt richtig: Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu vergrößern. © ZEIT-Grafik

ZEIT ONLINE: Wie kann man dem Menschen erklären, dass der Mensch eine erhebliche Mitschuld an der Erderwämung trägt?

Latif: Die oberen Luftschichten in 30 Kilometer Höhe und mehr kühlen sich ab, während sich die Erdoberfläche erwärmt. Das ist der Fingerabdruck des Kohlendioxids. Die Sonne erwärmt hingegen die gesamte Luftsäule.

ZEIT ONLINE: Seit dem eingangs erwähnten Zitat aus dem Spiegel sieht mancher in Ihnen einen Alarmisten. Und das, obwohl Sie wiederholt betont haben, die Menschheit könne die Erderwärmung noch stoppen. Wo beginnt Alarmismus tatsächlich?

Latif: Übertreibungen sind für jeden Wissenschaftler unheilvoll. Alarmismus ist mindestens genauso schlimm wie Skeptizismus. Spätestens dann, wenn ein Klimaforscher von irgendwelchen Kipp-punkten spricht, die bereits überschritten seien, wird die Sache unseriös.