Wenn der Naturschützer Patrick Medway früher von Sydney nach Perth flog, sah er aus der Luft nur Orange, Rostrot und Braun. Trockenes Land auf der ganzen, fast 3.500 Kilometer langen Strecke bis an die Westküste.

In die Geschichte ging diese Zeit als Millenniumsdürre ein – The Big Dry , von 1997 bis 2009. Damals begann die Ödnis gleich am Fuße der Snowy Mountains, den Australischen Alpen. Sie bilden einen Teil der Great Dividing Range, dem größtem Gebirgszug des Kontinents, der sich die Ostküste entlang vom Norden des Bundesstaates Queensland durch New South Wales bis nach Victoria zieht.

In dem gewaltigen Gebirge entspringen die beiden längsten Flüsse des Landes – der 3.400 Kilometer lange Darling River und der 2.600 Kilometer lange Murray River. Sie verzweigen sich zu einem gigantischen Flusssystem, dem mehr als eine Million Quadratkilometer großen Murray-Darling-Becken , der fruchtbarsten Kulturlandschaft Australiens.

Wer das Murray-Darling-Becken heute überfliegt, sieht es im alten satten Grün erstrahlen. Nach Jahren der Trockenheit, in denen Farmer Zehntausende Tiere verloren, regnete es hier seit 2009 drei Sommer lang besonders stark. Das Wetterphänomen La Niña am Pazifischen Ozean trug dazu bei. Die bräunliche Halbsteppe hat sich in fruchtbares Ackerland verwandelt.

Doch der Regen bringt auch verheerende Überschwemmungen. Zuletzt mussten wieder Tausende Australier ihre Häuser zeitweise verlassen. Mindestens zwei Menschen kamen in den Fluten im Südosten ums Leben. Viele Bauern haben Vieh in den Wassermassen verloren. Häuser, Ställe und Strommasten sind beschädigt. Die Ernte ist zum Teil zerstört – und angeschwemmtes Salz aus den Bergen kann die Felder vergiften. Auch Wildtiere wie Kängurus oder Emus kamen in den Fluten um. Durch die Rückkehr des Wassers entstehe aber auch neuer Lebensraum für Tierarten, die während der Dürrejahre hier nicht überlebten, sagt Medway, leitender Naturschützer der Wildlife Preservation Society of Australia .

Trotz all der Probleme, die das Hochwasser mit sich bringt: Viele Farmer sind froh, dass der Regen die Kornkammer Australiens jetzt wieder speist. Sie hoffen auf bessere Jahre, in denen genug, aber eben auch nicht zu viel Wasser ihre Felder fruchtbar hält. Für die kommende Baumwollernte erwarten sie etwa einen Zuwachs von 25 Prozent.