Wie viel Gas bisher aus dem Leck an der Förderplattform Elgin ausgetreten ist, weiß niemand genau. Fest steht, dass weiter unvermindert Gas ausströmt. Neben der Explosionsgefahr stellt sich auch weiterhin die Frage nach Umweltschäden. Zunächst muss man festhalten, dass nicht nur "reines Erdgas" zutage tritt, wie es über die gelben Leitungen zu den Konsumenten geliefert wird. Dieses Gas besteht vor allem aus Methan sowie Ethan und Propan – alles Moleküle, die aus wenigen Kohlenstoffatomen aufgebaut sind. In den Erdgaslagerstätten der Erde finden sich aber noch weitere Verbindungen. Zum einen sind das etwas komplizierter aufgebaute Kohlenstoffmoleküle, aber auch Schwefel, Stickstoff, Wasser und Kohlendioxid.

Bei der Förderung – oder bei einer Leckage – kommt stets das gesamte Rohgas nach oben. So auch beim Elgin -Gasfeld. Das erklärt, warum an der Plattform ein fünf Quadratkilometer großer Film auf dem Wasser entdeckt wurde. Dabei handelt es sich um etwas komplexere Kohlenstoffmoleküle, die in der 200 Grad Celsius heißen Lagerstätte gasförmig sind und beim Abkühlen an der Oberfläche eine Flüssigkeit bilden.

Nach Ansicht von Total-Mitarbeitern ist dieser Ölteppich keine große Gefährdung, weshalb vorerst keine Gegenmaßnahmen ergriffen wurden. Einige Umweltschützer sind in diesem Punkt weniger sorglos. Langfristig wird das Öl von Mikroorganismen zersetzt werden. Solche Bakterien finden sich fast überall auf der Erde. Sie sind darauf spezialisiert, Öl- und Gasbestandteile zu fressen, um ihren Energiebedarf zu decken. Die Bakterien gibt es schon seit Urzeiten, denn ebenso lange gibt es auch natürliche Ölaustritte. Die meisten dieser natürlichen Lecks bleiben unentdeckt. Allerdings dauert die natürliche Ölbeseitigung eine gewisse Zeit, weshalb nach Tankerunglücken die betroffenen Gebiete sehr lange verschmutzt sind.

Gelangt das Gas in die Atmosphäre, sind keine großen Umweltschäden zu erwarten. Zwar ist dessen Hauptbestandteil Methan ein starkes Treibhausgas , doch die bei Elgin freigesetzte Menge ist im globalen Maßstab zu vernachlässigen. Die Angst, das Gas könnte nach langem Austritt unsere Atmosphäre vergiften, ist daher unbegründet. Das freigesetzte Gas wird sich rasch mit der Luft vermischen und dabei verdünnt.

Methan würde die Luft nicht vergiften

Selbst wenn der Gasaustritt noch über Monate anhält, wird etwa an der deutschen Nordseeküste kein Anstieg des Methangehalts in der Luft festzustellen sein. Denn das Gas ist ohnehin in der Atmosphäre enthalten, weil es von der Natur ständig nachgeliefert wird. Zum Beispiel beim Auftauen von Permafrostböden in hohen Breiten, oder es gelangt über natürliche Austritte aus Kohleflözen oder Gaslagerstätten in die Luft. Der natürliche Methanausstoß wird weltweit auf 600 Millionen Tonnen im Jahr geschätzt. Die Emissionen vom Elgin -Feld sind dagegen nicht mehr als ein Hauch. Das Methan bleibt aber nicht für immer in der Atmosphäre. Es wird dort unter anderem zu Kohlendioxid zersetzt, so dass sich Zufuhr und Abbau in etwa die Waage halten.

Neben dem an der Unglücksstelle austretenden Gas macht Ökologen der Schwefel Sorgen . Er kommt als Schwefelwasserstoff zutage, der nach faulen Eiern riecht. Schwefelwasserstoff ist in höheren Konzentrationen giftig. Weil er über das Blut transportiert wird, kann er Menschen gefährlich werden. Strittig ist, ob dieser Stoff an der Plattform Elgin freigesetzt wird. Eine Total-Sprecherin sagte: "Es treten keine giftigen Substanzen aus." Umweltorganisationen widersprechen. Unabhängig davon ist der Schwefelwasserstoff keine Gefahr für die Menschen an Land. Seine Konzentration im Erdgas ist sehr gering – und er wird in der Luft rasch verdünnt.

Erschienen im Tagesspiegel