Australien ist der Kontinent der Extreme . Ob starke Dürreperioden oder wie aktuell großflächige Überschwemmungen : Down Under ist heftige Wetterereignisse leidvoll gewohnt. Wie stark sie mit dem Klimawandel zu tun haben, ist ungewiss. Allerdings sollten sich die Australier, die als Klimasünder gelten, besonders sorgen: Offenbar ist ihr Kontinent weit stärkeren Verschiebungen im Klimageschehen unterworfen als andere Regionen der Erde. An der Küste steigt der Meeresspiegel viel rascher als im globalen Mittel und der Trend der Erwärmung auf und um den australischen Kontinent hält an.

Im Norden Australiens werden die typischen Frühjahrsniederschläge nach neusten Messungen heftiger, während es weiter südlich zum Herbst und Winter hin im Durchschnitt trockener wird. Insgesamt müssen die Australier vermehrt mit Dürre im Süden, aber auch mit vereinzelt besonders heftigen Regenfällen rechnen. Zu diesen Ergebnissen kommt der Klimabericht 2012 des australischen Forschungsinstituts CSIRO sowie der Meteorologiebehörde BOM .

Steigende Temperaturen seit 1950

In dem unter dem Titel State of the Climate 2012 erschienenen Bericht wurden neue Daten zur Entwicklung der Temperaturen an Land und auf der Meeresoberfläche, zu Niederschlägen, extremen Wetterereignissen sowie zur Entwicklung des CO 2 -Gehaltes in der Atmosphäre vorgestellt.

Nach Auswertungen diverser Messungen an Stationen überall auf dem australischen Kontinent steigt die Durchschnittstemperatur an Land in Down Under seit 1950 kontinuierlich an. Von 1950 bis 2011 ergab sich eine Erwärmung von im Mittel 0,9 Grad Celsius.

Größtenteils entspricht diese Entwicklung dem globalen Trend. Nur in den Jahren 2010 und 2011 nicht: Während die Temperatur der Erdoberfläche im Jahr 2010 einen Rekordwert erreichte und 2011 immerhin das elftwärmste Jahr seit den Aufzeichnungen ist, war es während desselben Zeitraums in Australien so kühl wie seit 2001 nicht mehr. Dennoch sei der Trend eindeutig, sagte Karl Braganza, Chef der Abteilung für Klimabeobachtung im staatlichen Meteorologiebüro : "Der Klimawandel geht weiter, Australien wird wärmer." Die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen stiegen seit 1910 um 0,75 Grad Celsius. Die nächtlichen Tiefstwerte sogar um 1,1 Grad.

Temperaturschwankungen allein lassen noch keine Rückschlüsse auf den langfristigen Klimatrend zu. Doch seit den neunziger Jahren haben Meteorologen in Australien immer mehr extrem heiße Tage verzeichnet. Tage mit Rekordhitze waren in den vergangenen zehn Jahren sogar mehr als doppelt so häufig wie extrem kalte Tage.

Mehr Regen im Norden und Trockenheit im Süden

Unter dem Einfluss des Wetterphänomens La Niña kam es in den Jahren 2010 und 2011 zu den bisher stärksten Regenfällen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – und das vor allem im Südosten. Generell sind die Frühjahrsniederschläge im Norden Australiens heftiger geworden, während es im Süden, wo es normalerweise im Herbst und Winter stärker regnet, inzwischen zu weniger Niederschlag kommt.

Messungen ergaben außerdem, dass der Meeresspiegel vor Australien seit 1993 stärker angestiegen ist als im globalen Mittel. In den Jahren 2010 erreichte auch die Durchschnittstemperatur der Meeresoberfläche bei Australien eine neue Rekordmarke.

Der Meeresspiegel um Australien steigt schneller als im globalen Durchschnitt

Gleichzeitig hat die Menge des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid in der Atmosphäre im Jahr 2011 Rekordniveau erreicht. Nach Analysen der australischen Forscher stiegen die CO 2 -Emissionen von 2009 auf 2010 um 5,9 Prozent, nach einem kleinen Rückgang von 1,2 Prozent im Jahr davor wegen geringerer Wirtschaftsleistung als Folge der Finanzkrise.

Australien ist der größte Kohleexporteur der Welt. Misst man den CO 2 -Ausstoß pro Kopf, gehört das Land zu den größten CO 2 -Emittenten der Welt. Das Land hat immer wieder mit Unwettern zu kämpfen. Anfang dieses Jahres war es an der Ostküste mehrfach zu schweren Überschwemmungen gekommen. Zuletzt regnete es im März so stark, dass die Stadt Wagga Wagga unter Wasser stand.