Die Erde ist am Donnerstag von einem der stärksten Sonnenstürme der vergangenen Jahre getroffen worden. Er sei deutlich stärker als der Sturm, der die Erde Ende Januar erreicht habe , sagte Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung . Erste Teilchen von der Sonne seien bereits eingetroffen, der Sturm dauere wohl noch den ganzen Tag an. Über dem Norden Europas könnten am Abend deshalb bunte Polarlichter zu sehen sein.

Sonnenstürme entstehen, wenn sich das Magnetfeld der Sonne an bestimmten Stellen abrupt verändert. Dadurch kann es zu heftigen Eruptionen an der Sonnenoberfläche kommen, bei denen Plasma ausgestoßen wird. Astronomen bezeichnen diese Ereignisse als Koronalen Masseauswurf, auf Englisch Coronal Mass Ejection (CME). Nach so einem Ausbruch fliegen elektrische Wellen und Gaswolken durchs All und treffen unter Umständen auch auf die oberen Atmosphärenschichten der Erde. Da die Sonne rund 150 Millionen Kilometer entfernt ist, brauchen die Teilchen aus einem Sonnensturm zwei bis drei Tage bis sie die Erde erreichen.

Wie die US-Weltraumagentur Nasa berichtet, kam es am Dienstag zu zwei heftigen Masseauswürfen auf der Sonne. Partikel dieses ersten CME rasten nun mit einer Geschwindigkeit von etwa 2.000 Kilometern pro Sekunde durchs All. Die Teilchen des zweiten Massesturms brachten es auf knapp 1.800 Kilometer pro Sekunde. 

Die Eruption habe in der linken Sonnenhälfte gelegen, der Hauptsturm fliege deshalb wohl links an der Erde vorbei. "Er wird uns also vermutlich nicht voll treffen", sagte Curdt. Das Gebiet auf der Sonne, in dem die Eruption stattfand, sei weiter aktiv. Es liege jetzt etwa auf der Sonnenmitte – am Wochenende sei deshalb die Wahrscheinlichkeit für gewaltige Sonnenstürme, die die Erde direkt treffen, am höchsten.

Treffen die schnellen Partikel auf das Magnetfeld der Erde, kann das zum Beispiel die Technik von Satelliten lahmlegen und zu Störungen in Stromnetzen führen. Möglicherweise müssten bei schweren Störungen auch Flüge umgeleitet werden. Das betrifft dann allerdings nur die Polarregionen. Bisher wurden keine Probleme auf der Erde durch die aktuellen Sonnenstürme bekannt.

Am Wochenende rechnen Forscher mit besonders starken Eruptionen

Für Mitte 2013 erwarten Experten ein Maximum der Sonnenaktivität – aus den Außenschichten unseres Zentralgestirns werden dann besonders oft große Gaswolken ins All geschleudert. Die Aktivität schwankt im Rhythmus von etwa elf Jahren und nimmt seit 2010 wieder zu. In den nächsten eineinhalb Jahren wird es deshalb wohl noch viele Sonnenstürme geben, die immer stärker werden. Wie viele es sein werden, kann nicht vorhergesagt werden.