Einen Riesenerfolg für Deutschland nannte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) die Entscheidung der Vereinten Nationen. In Panama stimmten in der Nacht Vertreter der Staatengemeinschaft für Bonn als Sitz der neuen globalen Plattform zu Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen (IPBES). "Damit wird unser langjähriges Engagement für den weltweiten Schutz der biologischen Vielfalt gewürdigt", sagte Röttgen. Das internationale Wissenschaftsgremium soll unabhängige Informationen über den weltweiten Zustand der Natur liefern. Es ist damit ein Pendant zum Weltklimarat (IPCC).

In einem langen Wahlgang konnte sich die deutsche Bewerbung um den Sitz des IPBES-Sekretariats gegen die Mitbewerber Süd-Korea, Frankreich, Indien und Kenia durchsetzen. Das Ergebnis fiel dabei im letzten Wahlgang mit 47:43 Stimmen gegenüber Süd-Korea denkbar knapp aus. Die Entscheidung stärkte den Standort Bonn insgesamt. Hier sind bereits 18 UN-Organisationen, darunter auch das UN-Klimasekretariat und das Sekretariat der Wüstenkonvention angesiedelt.

IPBES steht für Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services. Es soll nach seiner Gründung eine wichtige Lücke im globalen Schutz der biologischen Vielfalt schließen. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten gelten weltweit als stark bedroht oder schon ausgestorben. Die internationale Staatengemeinschaft will die rasant voranschreitende Naturzerstörung – etwa von Wäldern, Meeresräumen und Arten – abbremsen.

Die Deutschen müssen sich stärker im Umweltschutz messen lassen

IPBES soll ähnlich wie der IPCC das vorhandene Wissen über Biodiversität und die Ökosysteme regelmäßig bündeln und für die Politik zugänglich machen. Anders als der Weltklimarat soll IPBES zugleich aktiv die Mitarbeit der Entwicklungsländer im Gremium unterstützen. Gerade das Versprechen Deutschlands, diesen Aspekt mit 6,5 Millionen Dollar pro Jahr zu fördern, dürfte den Erfolg bei der Wahl beflügelt haben.

Mit dem Sekretariat kommen neben finanziellen Verpflichtungen aber auch weitere Herausforderungen auf Deutschland zu. Die Deutschen werden nun noch stärker daran gemessen werden, wie Empfehlungen zum Umwelt- und Naturschutz umgesetzt werden. Zum anderen muss der IPBES die Forschungslandschaft zur Biologischen Vielfalt in Deutschland einbinden und unterstützen.

Gerade in den vergangenen Jahren war die Forschungsförderung in diesem Bereich unter Druck geraten. Auch das derzeit diskutierte neue Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union verheißt kaum Besserung.  Um sich aber in die Politikberatung aktiv einbringen zu können, bedarf es einer gut ausgestatteten Forschung. Auch Schnittstellen zwischen Politik und Wissenschaft sind nötig. Das zeigt auch das Beispiel des Netzwerk-Forums zur Biodiversitätsforschung in Deutschland. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert, um den Informationsfluss zwischen Wissenschaft und Politik zu verbessern.

Abzuwarten bleibt, wann IPBES und damit das Sekretariat konkret an den Start gehen kann. Noch gibt es keine Einigung über Formalien der Plattform und das Arbeitsprogramm. Im Zweifel wird Deutschland das nach der Tagung in Panama vorantreiben müssen.