Erneut wird Russland von einer schweren Naturkatastrophe getroffen. Nach den verheerenden Waldbränden im Sommer 2010 , durch die 150 Dörfer ganz oder zum Teil zerstört wurden, sind es jetzt Wassermassen, mit denen die Menschen – und die Natur – zu kämpfen haben. Bis zu sieben Meter hohe Wellen sollen einige Dörfer getroffen haben. Viele Menschen mussten sich auf Dächer und Bäume retten.

Nach fast zweitägigem Dauerregen hat das Hochwasser mittlerweile etwa 5.000 Häuser in der Region Krasnodar am Schwarzen Meer überflutet. Mindestens 144 Menschen sind ums Leben gekommen, wie die Agentur Interfax berichtet. Viele der Opfer waren ältere Menschen, die im Schlaf vom Hochwasser überrascht wurden. Etwa 3.000 Menschen seien inzwischen aus dem Gebiet in sichere Unterkünfte gebracht worden.

Die häufig geäußerte Vermutung, dass sich Wetterextreme, wie Überschwemmungen oder Brände aufgrund des Klimawandels häufen, können Wissenschaftler nur schwer belegen. Fest steht allerdings, dass nicht nur der Mensch, sondern auch die Umwelt unter den Extremen leiden. Während den Überschwemmungen verenden viele wilde Tiere, Düngemittel und Pestizide werden aus der Landwirtschaft ausgespült und gelangen in die Flüsse. Waldbrände schaden dem Klima direkt, da mit dem Verbrennen des wertvollen Pflanzenmaterials große Mengen des Treibhausgas CO 2 in die Atmosphäre gelangen. Gerade die Torfmoorwälder Russlands speichern besonders viel Kohlenstoff – entsprechend hoch ist der Klimaschaden, wenn sie in Flammen aufgehen.

Für die Menschen in der Region ist ungewiss, wie lange das Wasser bleiben wird. Nach Informationen aus dem Katastrophenschutzministerium sind weiterhin knapp 29.000 Menschen ohne Strom. In mehreren Städten wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Bahngleise und Straßen seien unterspült oder von Schlamm überdeckt und unpassierbar. Die Armee stellte Speziallastwagen und Hebekräne bereit.

"An eine solche Katastrophe kann sich hier niemand erinnern", sagte Gouverneur Alexander Tkatschow. Rund 1.500 Rettungskräfte waren im Dauereinsatz. Die Polizei verstärkte die Präsenz in der Region, um größere Plünderungen zu verhindern. Am Abend seien jedoch bereits zwei Plünderer festgenommen worden.