Die Gegensätze zwischen Trocken- und Regenzeit drohen sich zukünftig noch zu verschärfen: als direkte Folge der Abholzung. Eine Untersuchung von Marcos Heil Costa von der University of Wisconsin in Madison und seinen Kollegen konnte dies beispielsweise für das große Einzugsgebiet des Rio Tocantins im südöstlichen Amazonasbecken belegen. Große Areale wurden hier in den letzten Jahrzehnten abgeholzt und in der Folge als Viehweiden oder Felder genutzt. Dadurch erhöhte sich der Jahresabfluss um ein Fünftel, weil die Vegetation weniger Wasser zurückhält oder verdunstet. Stattdessen fließt es schneller oberflächlich ab und speist den Fluss – vor allem während der Regenzeit, während der sich die Spitzenwerte am stärksten veränderten. Der Strom wird also weniger berechenbar.

Wenn der Wald verschwindet, regnet es weniger

Und auch die gesamten Regenmengen könnten zurückgehen, wenn der Wald verschwindet, wie David Werth und Roni Avissar von der Duke University in Durham in einer Studie zusammenfassten. In einigen besonders stark betroffenen Gebieten nahmen die Niederschläge um bis zu 640 Millimeter pro Jahr ab. Was sich bei Gesamtsummen von teilweise 4.000 bis 6.000 Millimeter nach wenig anhört, entspricht jedoch der Gesamtmenge, die Frankfurt über das Jahr hinweg erhält.

Vor allem der Südosten der Region ist davon am stärksten betroffen, wo auch der Xingu entspringt, so eine weitere Studie von Eric Davidson vom Woods Hole Research Center in Falmouth : Weniger Regen bedeutet allerdings auch weniger Wasser für die Energiegewinnung.

Doch gibt es überhaupt Alternativen zur Wasserkraft für Brasilien – da Kernenergie nicht gewünscht ist und Kohle wegen der CO 2 -Problematik ausscheidet? Fearnside meint, ja: Das Land habe schließlich ein gewaltiges Potenzial für Wind- und Sonnenenergie, die bei Weitem nicht die massive staatliche Förderung wie die Staudämme erhielten. Und der Forscher hat sogar noch einen praktischen Tipp, der ein ganzes Kraftwerk wie Belo Monte überflüssig machen könnte: "Das ließe sich schon dadurch erreichen, indem man die elektrischen Duschköpfe im Land durch solare Warmwasseraufbereitung ersetzt." Diese notorisch ineffizienten Heißwasserproduzenten fressen allein fünf Prozent des brasilianischen Elektrizitätsbedarfs.

Erschienen bei spektrum.de